Zum Tod von Ulli Lommel : Der eiskalte Bengel

Einst galt er als der "deutsche Alain Delon". Jetzt ist der Schauspieler und Filmfreak Ulli Lommel mit 73 Jahren gestorben.

Ulli Lommel
Ulli LommelFoto: dpa/Max Blosche

Fünf Jahre ist es her, da reihte er sich ein in die bizarre Reihe der Volksbühnengäste und arrangierte einen Abend namens „Fucking Liberty“. In dieser Zeitung stand nachher „Das Ganze strahlt eine komplett entrückte kalifornische Relaxtheit aus, die mit Theater nichts zu tun hat und auch nicht haben will.“ Ulli Lommel war schließlich ein Filmverrückter. Er lebte in den USA. Er lebte wild, interessierte sich für Killer, drehte mit John Carradine den Horrorfilm „The Bogeyman“, bei dem ihm William Burroughs assistiert haben soll. Er drehte mit Andy Warhol, trieb sich mit den Ramones herum. Auf Lommel trifft alles zu, was man früher einmal mit dem schönen Wort Underground verband.

Das mochte er: blutige Storys, kaputte Prominenz,Punk

Cool. Das ist das andere, was einem sofort bei Ulli Lommel in den Sinn kommt. Man hat ihn in den späten Sechzigern als deutschen Alain Delon gesehen. Er spielt bei Rudolf Thome in „Detektive“ und ist in gut zwanzig Fassbinder-Produktionen dabei. In „Liebe ist kälter als der Tod“ hat er die Hauptrolle; ein schmaler Typ, eiskalt. Es ist die Zeit der Filmtitel, die das Zeug zum Sprichwort haben. Dunkle Klassiker der BRD. Lommel drehte als Regisseur 1973 „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ über den Massenmörder Haarmann. Das mochte er: blutige Storys, kaputte Prominenz, Punk.

Ulli Lommel war ein wandelnder Filmstoff. Was für eine Biografie! Ein Kind tingelnder Eltern, kommt er früh zur Bühne. Er hätte ein Schönling werden können im deutschen Kino, das sich glücklicherweise radikalisiert und vom Heimatfilm freimacht, als der junge Lommel um die Ecke biegt mit seinem bleichen Ausdruck; brutal, blasiert. Jedes seine Worte ein Schlag ins Gesicht.

Er hatte weniger Erfolg als Fassbinder oder Werner Herzog, dafür waren seine Ideen aber auch ausgefallener. Die Finanzierung seiner Projekte hat er auch noch selbst besorgt. In ihm hauste ein Teufel, ein romantischer. Am Wochenende ist Ulli Lommel mit 73 Jahren nach einem Herzinfarkt gestorben.

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