26.04.2020 15:30 Uhr

Berliner Fahrrad-Aktivisten im Porträt

Thomas Büermann, fLotte, (65 Jahre, Zehlendorf)

Wo und wie engagieren Sie sich für das Radfahren?
Ich habe mit anderen zusammen die "fLotte" aufgebaut, ein ehrenamtliches Projekt des ADFC Berlin. Die "fLotte" bietet stadtweit die kostenlose Ausleihe von Lastenrädern an. Damit wollen wir den Verzicht aufs eigene Auto noch leichter machen, denn nun kann auch der Getränketransport oder der Ausflug mit den Kindern autofrei erfolgen.
Warum ist Ihnen das Fahrrad so wichtig?
Das Fahrrad ist für mich das schnelle, umweltfreundliche, flexible und preiswerte Transportmittel schlechthin. Fahrradfahren hält mich fit und lässt mich meine Umgebung intensiv erleben.
Können und werden Fahrräder in den Städten irgendwann Privat-Pkw ersetzen?
Natürlich wird es auch in Zukunft gute Gründe für individuellen PKW-Verkehr geben. Fahrräder können zwar einen guten Teil des Mobilitätsbedarfs abdecken, aber Wetter, Fitness und Entfernungen setzen ihrem Einsatz gewisse Grenzen. Allerdings bin ich überzeugt, dass der private Pkw in der Stadt ein Auslaufmodell ist. Irgendwann wird auch der überzeugteste Pkw-Fahrer merken, dass er wertvolle Lebenszeit im Stau und bei der Parkplatzsuche verschwendet und dass er viel langsamer unterwegs ist als die Nutzer von ÖPNV und Fahrrad.
Rund drei Jahre Rot-Rot-Grün in Berlin – hat das den Radfahrenden etwas gebracht?
Die bisherigen Erfolge der angekündigten Mobilitätswende sind äußerst bescheiden. Diejenigen Kräfte, die verbissen jeden Autoparkplatz verteidigen und jede Einschränkung der freien Fahrt fürs Auto für einen Angriff auf elementare Menschenrechte halten, sind immer noch erschreckend stark.
Ein Zukunftswunsch für Berlin?
Ich wünsche mir eine Stadt, in der alle Menschen ihren gerechten Teil an unserem gemeinsamen öffentlichen Raum erhalten, und in der Regeln gelten, die auch Kindern, Fußgängern und Senioren angemessene Freiräume gewähren. Derzeit nehmen in Berlin Autoparkplätze zehnmal mehr Fläche in Beschlag als Spielplätze – wir leben also immer noch in einer autogerechten Stadt. In meinem menschengerechten Berlin der Zukunft ist das Blech auf ein Minimum reduziert und wir Menschen haben uns den öffentlichen Raum zurückerobert.

Foto: Thilo Rückeis, Interview: Erik Wenk