21.02.2019 08:54 Uhr

RÜCKBLENDE

HEUTE VOR 30 Jahren wurde Vaclav Havel zu neun Monaten Gefängnis verurteilt

Der Tagesspiegel berichtete am 22. Februar 1989: >Der Dramatiker und Bürgerrechtler Vaclav Havel ist gestern von einem Prager Gericht wegen „Aufhetzung" und „Widerstandes gegen die Staatsgewalt" zu neun Monaten verschärfter Haft verurteilt worden. Er war am 16. Januar auf dem Prager Wenzelsplatz festgenommen worden, als er Blumen zum Gedenken an den Studenten Jan Palach niederlegen wollte, der sich dort aus Protest gegen den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die CSSR vor 20 Jahren verbrannt hatte. Beim Eintreffen Havels vor Gericht applaudierten die Zuschauer. Havel wies den Vorwurf einer „Aufhetzung zu antisozialistischen Aktivitäten" zurück und erklärte, diese Begriffe seien durch inflationären Gebrauch sinnentleert. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, daß mit "diesem Etikett" unter den Stalinisten früher auch tschechoslowakische KP-Chefs bedacht worden waren, nämlich der 1952 hingerichtete Slansky, kurz darauf Husak und nach 1968 auch Dubcek. Havel war in den letzten 20 Jahren bereits mehrfach zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Es war nicht die erste Haftstrafe für Havel. 1979 hatte er wegen Gründung einer illegalen Vereinigung und Aufrechterhaltung von Kontakten zu Emigrantenkreisen eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren erhalten, die er fast zur Gänze absaß.<

Noch im gleichen Jahr, am 29. Dezember 1989 (unser Bild entstand wenige Wochen zuvor), wurde Vaclav Havel auf Druck des Volkes zum Staatspräsidenten der Tschechoslowakei gewählt. 1993, nach der Trennung von der Slowakei, wurde er tschechischer Präsident und blieb dies zehn Jahre lang. Er starb im Dezember 2011. - Ein Dissident als Präsident, das war die Pointe, in der 1989 die "samtene Revolution" in Prag gipfelte.