26.04.2018 09:34 Uhr

RÜCKBLENDE

Heute vor 10 Jahren … wurde Josef Fritzl festgenommen

 

Der Tagesspiegel berichtete am 19. April 2008:

„Die Ybbsstraße liegt ein bisschen außerhalb des Zentrums von Amstetten in Österreich. Der Mann hat in der Nummer 40 gelebt, einem schmucklosen Klotz, grau und abweisend. Seine Tochter hat er im Keller eingesperrt und sieben Kinder mit ihr gezeugt. 24 Jahre lang hat Josef Fritzl, inzwischen 73 Jahre alt, seine Tochter Elisabeth gefangen gehalten. Er hat ihr ein Verlies gebaut und sie sexuell missbraucht.

Elisabeth sei heute aschfahl und weißhaarig, sagt Heinz Lenze, Bezirkshauptmann von Amstetten, am Montag; er ist sichtlich erschüttert. Elisabeth Fritzl ist erst 42, aber sie soll deutlich älter aussehen. Drei ihrer Kinder - die 19-jährige Kerstin, der 18-jährige Stefan und der fünfjährige Felix - haben niemals Tageslicht gesehen, bis die Polizei sie am Wochenende befreite. Nur zwei Stockwerke darüber lebten drei weitere Kinder im Alter zwischen zwölf und 16 bei ihrer Großmutter und dem Großvater, der eigentlich ihr Vater ist.

Elisabeth kommt 1966 zur Welt, sie ist das siebte Kind von Josef und Rosemarie Fritzl. Der Vater arbeitet als Elektrotechniker für eine größere Baufirma, die Mutter kümmert sich um sie und ihre sechs Geschwister: fünf Brüder, eine Schwester. Elisabeth geht in Amstetten in die Grundschule, 1976 wechselt sie auf die nahe gelegene Hauptschule. Kurz darauf beginnt ihr Martyrium. Mit 15 Jahren geht Elisabeth Fritzl von der Schule ab, sie beginnt eine Lehre als Kellnerin in einer Raststätte. Ihrem Vater entkommt sie nicht. Mit 16 läuft Elisabeth das erste Mal weg, doch die Polizei greift sie auf. Später will Elisabeth wieder fliehen. Wieder wird sie aufgegriffen und in die Ybbsstraße zurückgebracht. In seinem ganzen Schrecken beginnt dieses Drama aber erst am 28. August 1984, einem Dienstag. Josef Fritzl lockt seine Tochter, die inzwischen 18 Jahre alt ist, in den Keller. Dort betäubt er sie mit Äther. Er fesselt sie mit Handschellen und versteckt sie in einem Verschlag. Offenbar hat er Angst, dass Elisabeth abermals fliehen und den Missbrauch auffliegen lassen könnte. Josef Fritzl gibt sogar eine Vermisstenanzeige auf.

Er hat seine gefangene Tochter auch im Keller weiter missbraucht. Sieben Kinder bringt sie auf die Welt; von den Zwillingen, die 1996 geboren werden, stirbt eines gleich nach der Geburt. Der Vater verbrennt den Leichnam im Heizofen seines Hauses. Die beiden Erstgeborenen, Kerstin und Stefan, werden von ihrem Vater ebenfalls im Kellerverlies eingesperrt. Die beiden Kinder, die 1992 und 1993 geboren werden, sowie der überlebende Sohn der Zwillingsgeburt von 1996 haben Glück. Der Kelleranbau wird nun zu klein, also beschließt Josef Fritzl, anders vorzugehen. Er legt die Babys, jeweils im Alter von neun Monaten, vor die eigene Haustür. Außerdem zwingt er seine Tochter, Briefe zu schreiben, in denen sie erklärt, sich einer Sekte angeschlossen zu haben und dort für ihre Kinder nicht sorgen zu können. So kann Josef Fritzl die drei Kinder als Pflegekinder in seinem Haus aufnehmen. Sie besuchen heute in Amstetten die Schule, wo sie als aufmerksame und gute Schüler bekannt sind. Das sechste Kind, der 2003 geborene Felix, muss wiederum bei der Mutter und seinen beiden Geschwistern im Kellergefängnis bleiben. Alle drei haben nur von ihrer Mutter sprechen gelernt, sie haben nie eine Schule besucht, sie können weder schreiben noch lesen, waren nie bei einem Arzt und kennen die Welt nur aus dem Fernseher."

Im März 2009 fand die Gerichtsverhandlung statt, Fritzl wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Foto: Reuters