Fritz Rumpf : Japan ließ ihn nicht mehr los

Fritz Rumpf – ein Pionier der deutsch-japanischen Kulturbeziehungen wollte nie wieder nach Deutschland zurück.

„Ich geh’ nur wieder nach Haus, wenn ich mit Gewalt dazu gezwungen werde, am liebsten blieb ich mein ganzes Leben hier, und so geht es allen, die mal in Ostasien gewesen sind“, schreibt 1909 Fritz Rumpf (1888-1949) an seine Verlobte aus der deutschen Kolonie Tsingtau. Dort leistete Rumpf als Freiwilliger Militärdienst, um seinem geliebten Japan wenigstens näher zu sein. Schon als Schüler hatte er Japanischunterricht genommen, nach seiner Militärzeit in China reiste er von 1908 bis 1909 ein gutes Jahr durch Japan. Eine folgenschwere Reise, denn Japan ließ ihn nie mehr los.

Fritz Rumpf wurde auf abenteuerliche Weise ein bedeutender Mittler zwischen Deutschland und Japan, der profunde Kenntnisse auf dem Gebiet des japanischen Holzschnittes, des Theaters, der Volkskunst, der Volksmusik besaß. „Du verstehst unsere Herzen gut“, heißt es in einem Gedicht von Kinoshita Mokutaro.

 Rumpf stammte aus einer kunstliebenden, wohlhabenden Familie bei Potsdam. Er selbst studierte Kunst bei Emil Orlik, der sich ebenfalls mit dem japanischen Farbholzschnitt auseinandergesetzt hatte. Rumpf hatte sich bei seiner ersten Japanreise so in die Kultur des Landes vertieft, daß er bald Japanisch schreiben und lesen konnte. Er fand Aufnahme in de Pan no kai, eine Pan-Gesellschaft von Schriftstellern und Künstlern nach deutschem Vorbild. Rumpf gelang es auch, die komplizierte Kunst des japanischen Farbholzschnittes zu erlernen und seine Stöcke dort auch zu drucken.

 Fast interessanter als seine Drucke sind die farbigen Skizzen, die den japanischen Alltag auf der Straße, in den Kneipen und Theatern schildern. Da treffen dann Ost und West aufeinander, Geishas und Feuerlöscher. Rumpf kehrt nach einem kurzfristigen, aber unbefriedigten Aufenthalt in Paris 1913 nach Japan zurück und wird 1914 als Soldat nach Tsingtau eingezogen, wo er bald in japanische Gefangenschaft gerät, die bis 1920 währen soll. „Um fünf Lebensjahre hat uns die hohe deutsche Politik mit ihrem blödwitzigen Kurs betrogen“, schreibt er 1919. Es waren fünf Jahre, die, Ironie des Schicksals, den Grundstock für die deutsch-japanischen Kulturbeziehungen legten. In der Langeweile des Lagers ordnete Rumpf seine Beobachtungen des Theaters und der Kultur des Landes, vertiefte seine Japanischkenntnisse und kehrte als profunder Kenner der japanischen Kultur nach Deutschland zurück. Zahlreiche Schriften und Programmzettel zeugen von den Musik- und Theateraktivitäten in den Lagern. Dort fand auch, wie ein Programmheft beweist, die japanische Uraufführung der 9. Symphonie von Beethoven statt.

 Rumpf studierte in Berlin Kunstgeschichte und fand 1926 eine Anstellung am neu gegründeten Japan-Institut. Dort war er für die Bibliothek zuständig und verfasste 1932 seine wegweisende Dissertation über die japanische Kunst der Buchillustration.

Rumpf hat zudem Holzschnitte und Programmhefte des japanischen Theaters gesammelt und grundlegende Werke zum japanischen Farbholzschnitt geschrieben, da er sich vor allem auf japanische Quellen stützen konnte. Er hatte Spielzeug und Spielkarten gesammelt, Märchen, Volks- und Soldatenlieder.

 Seine Spuren verlieren sich etwas in den 30er Jahren, auf Grund fehlender Briefe ist sein Wirken noch nicht ganz erforscht. Er blieb bis 1945 am Japan-Institut, seine Forschungen waren weitgehend dem Einfluß der Nationalsozialisten entzogen.