23.04.2018 10:45 Uhr

Was ist eigentlich ...

WAS IST eigentlich ... eine Zerschlagung? Hannes Soltau erklärt einen Begriff, der mächtige wie insolvente Firmen eint

Eon und RWE planen derzeit, die RWE-Ökostromtochter Innogy zu zerschlagen, was wohl auch Thema bei der RWE-Hauptversammlung am kommenden Donnerstag sein wird. In diesem Zusammenhang bedeutet Zerschlagung, dass die Energiekonzerne die Geschäfte unter sich aufteilen: Eon erhält das lukrative Netzgeschäft; die erneuerbaren Energien werden unter dem Dach von RWE vereint. Das erst seit zwei Jahren existierende Unternehmen Innogy würde damit aufhören, weiterzubestehen. Der Fall ist insofern besonders, da es einen Tausch von Geschäftsaktivitäten darstellt. Meist geschieht die Zerschlagung eines Unternehmens nach einer Übernahme, um danach einige oder alle Teile zu verkaufen. Auch im Wettbewerbs- oder Kartellrecht ist der Begriff „Zerschlagung“ anzutreffen: Dort kann es Unternehmen betreffen, die eine marktbeherrschende Stellung einnehmen.

Auf Druck der Alliierten wurden in Deutschland einst große Unternehmen wie die IG-Farben und vergleichbare Großkonzerne in den Bereichen Kohlebergbau, Eisen- und Stahlindustrie, Filialgroßbanken und Filmwirtschaft nach dem Krieg entflochten. In der jüngeren Vergangenheit wurden aus der Politik vermehrt Stimmen laut, einflussreiche und marktdominierende Großkonzerne wie Facebook, Google und Amazon zu zerschlagen. Auch im Falle einer Insolvenz kann es zu einer Zerschlagung kommen. Alle Unternehmensteile, die einen Käufer finden, werden dabei veräußert, ebenso Vermögenswerte wie Maschinen, Fahrzeuge oder Immobilien. Die Einnahmen fließen dann in einen gemeinsamen Topf, aus dem die Gläubiger am Ende anteilig bezahlt werden.


Foto: Ina Fassbender, Bernd Thissen/dpa