Anke Schäferkordt verlässt RTL Deutschland : Das Ende einer Ära

Anke Schäferkordt verlässt nach 27 Jahren die RTL Group. Nachfolger wird der bisherige Vox-Chef Bernd Reichart.

Anke Schäferkordt, die Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland
Anke Schäferkordt, die Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL DeutschlandFoto: dpa


Diese Zahlen wird Anke Schäferkordt am Mittwochmorgen in ihrem Büro in Köln-Deutz gerne gelesen haben: Die fünfte Staffel „Die Höhle der Löwen“ auf Vox, eines der stärksten Formate der Mediengruppe RTL Deutschland, hat zum Ende der fünften Staffel am Dienstagabend noch einmal kräftig angezogen. Mit durchschnittlich 2,95 Millionen Zuschauern war es die erfolgreichste Staffel seit Sendestart.


Auch damit lässt es sich nach 27 Jahren insgesamt in der RTL-Sendergruppe gut Abschied nehmen. Anke Schäferkordt zieht sich zum 31. Dezember als Chefin von RTL Deutschland und Mitglied im Vorstand der RTL-Muttergesellschaft Bertelsmann zurück. Das hat die RTL Group am Mittwoch in Luxemburg mitgeteilt.


„Die RTL Group und Anke Schäferkordt haben gemeinsam und im besten gegenseitigen Einvernehmen entschieden, ihren Vertrag als CEO der Mediengruppe RTL Deutschland nicht zu verlängern“, heißt es in einer Mitteilung. Nachfolger auf dem Chefposten der Mediengruppe RTL Deutschland wird Bernd Reichart, der bisherige Geschäftsführer von Vox.

Schäferkordt hat Sender und Gruppe geprägt. Wenn es in den vergangenen Jahren im Privatfernsehgeschäft kriselte, betraf es eher Sat1. Unter Schäferkordts Führung dominierte RTL über Jahre den Fernsehmarkt, auch wenn jüngst ein schwächelndes Werbegeschäft die Stimmung trübte. Mit uneitlem Führungsstil, in den Medien wurde Schäferkordt immer mal wieder als die Angela Merkel des Privatfernsehens bezeichnet.

RTL & Co. hatten durchaus schwierige Zeiten, als die noch aus Helmut-Thoma-Zeiten stammenden Erfolgsformate wie Crash-Talk oder Gerichts–TV nicht mehr funktionierten. Nun also Castingshows wie „DSDS“, „Das Supertalent“ oder „Die Höhle der Löwen“.

Christoph Mohn, der Aufsichtsratsvorsitzende von Bertelsmann, würdigte die Erfolge der langjährigen RTL-Chefin: „Anke Schäferkordt leistet seit 30 Jahren großartige Arbeit für Bertelsmann und ist eine herausragende TV-Managerin, die Kreativität und Unternehmertum vereint.“


Schäferkordt startete ihre Laufbahn nach einem BWL-Studium bei Bertelsmann 1988. Drei Jahre später wechselte sie zu RTL Plus in Köln. Nach einer Zwischenstation bei Vox, wo sie bis 2005 als Geschäftsführerin tätig war, kehrte sie in gleicher Funktion zu RTL zurück und übernahm auch die Gesamtverantwortung für die deutsche Senderfamilie, die seit 2007 als Mediengruppe RTL Deutschland firmiert. Vor sechs Jahren gab sie die Programmverantwortung von RTL an Frank Hoffmann ab.

Von April 2012 bis April 2017 war Schäferkordt zusätzlich Co-Geschäftsführerin der RTL Group in Luxemburg. Dem Bertelsmann-Vorstand gehört sie ebenfalls seit April 2012 an. Schäferkordts Nachfolger kommt, wie einst sie, vom kleineren Schwestersender Vox. Reichart ist seit Februar 2013 Geschäftsführer von Vox und Mitglied der Geschäftsleitung der Mediengruppe RTL Deutschland. Unklar ist, wer künftig bei Vox das Sagen haben wird. Es gibt undankbarere TV-Jobs.

Schäferkordts Abgang jedenfalls ist das Ende einer Ära. „Nach mehr als 27 Jahren ist es kein einfacher Schritt, die Mediengruppe RTL zu verlassen“, sagte die 55-Jährige. Es gibt sicher ein Leben auch ohne Bertelsmann.

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