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Antisemitismus-Vorwürfe gegen Rogers Waters : Und wo bleibt der Hinweis auf den Antisemitismus von Luther und Wagner?

Veranstalter Marek Lieberberg kritisiert ARD-Sender wegen ihres Verzichts auf Präsentation der Waters-Konzerte. Zentralrat dagegen begrüßt die Entscheidung

Roger Waters kommt mit seiner Show "U + Them" 2018 nach Deutschland
Roger Waters kommt mit seiner Show "U + Them" 2018 nach DeutschlandFoto: AFP

Der Konzertveranstalter von Pink-Floyd-Legende Roger Waters verteidigt den Sänger gegen Antisemitismus-Vorwürfe und greift zugleich die ARD mit deutlichen Worten an. Die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem 74-jährigen Musikstar durch mehrere Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunkverbundes sei „absolut lächerlich“, sagte der Geschäftsführer von Live Nation Deutschland, Marek Lieberberg, dem „Mannheimer Morgen“. Waters habe zwar eine bedenkliche private Meinung zu Israel. „Aber ich kann und will ihm sein Recht auf Meinungsfreiheit nicht bestreiten“, erklärte der Musikmanager, dessen Eltern Holocaust-Überlebende sind.

Wo bleibt der Hinweis auf den Antisemitismus von Luther und Wagner?


„Wenn die Öffentlich-Rechtlichen einen Beitrag leisten möchten, fände ich es beispielhaft, wenn vor allen Beiträgen über Luther oder Wagner-Aufführungen auf die teilweise blutrünstigen antisemitischen Theorien dieser Herrn hingewiesen würde. Da gäbe es wirklich Nachholbedarf“, ergänzte Lieberberg, wie epd berichtet. Demgegenüber sei das künstlerische Werk von Roger Waters weder antisemitisch oder anti-jüdisch. „Der Kanon von Roger Waters und Pink Floyd ist und bleibt genial.“ Der Musiker ist Unterstützer der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen). Sie oszilliert zwischen offenem Judenhass und Kritik an der Palästinenserpolitik der israelischen Regierung. Waters hat mehrfach zum Boykott Israels aufgerufen und auf Konzerten Ballons in Schweineform aufsteigen lassen, auf denen neben anderen Symbolen wie dem Kruzifix auch der Davidstern zu sehen war. Im kommenden Jahr wird Waters mit seiner Show „Us + Them“ auf Tournee gehen und dabei auch in Deutschland Station machen.

RBB-Intendantin will mit Verzicht Zeichen setzen

Mehrere ARD-Sender haben angekündigt, auf eine Präsentation dieser Konzerte zu verzichten. Der RBB hatte am Montag mitgeteilt, damit reagiere der Sender auf die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Waters. Waters' Auftritte am 1. und 2. Juni 2018 in Berlin würden nicht von den RBB-Wellen Antenne Brandenburg und radioBerlin 88,8 präsentiert. Der Sender setze damit auch ein Zeichen gegen die Boykott-Aufrufe des Sängers zu Israel-Auftritten anderer Künstler. „Hier klar Position zu beziehen, ist für den RBB ein wichtiges Signal auch an die jüdischen Gemeinden in Berlin und Brandenburg“, erklärte Intendantin Patricia Schlesinger. Andere ARD-Anstalten haben ebenfalls eine Präsentation von Waters verzichtet. Dazu gehören neben dem WDR und dem NDR auch der SWR und der BR.

Zentralrat begrüßt Entscheidung

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Entscheidung von ARD-Anstalten begrüßt, die Zusammenarbeit mit der Pink-Floyd-Legende Roger Waters wegen Antisemitismus-Vorwürfen zu beenden. „Die schnelle und entschiedene Reaktion der Sender auf die massive öffentliche Kritik ist ein wichtiges Zeichen, dass der grassierende Israel-bezogene Antisemitismus in Deutschland keinen Platz hat“, erklärte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, am Dienstag in Berlin: „Wer auf Konzerten Ballons in Schweineform samt Davidstern aufsteigen lässt, muss sich den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen.“ Es sei höchste Zeit, dass Antisemitismus, der sich unter dem Deckmäntelchen der Kritik an Israel tarne, "endlich als das bezeichnet wird, was er ist".

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