"Babylon Berlin", "4Blocks", "Dark" : Grimme-Preise für Pay-TV-Produktionen

#GoslingGate und Germania: Neben erwartbaren Grimme-Siegern wie „4Blocks“ und „Babylon Berlin“ gab es einige Überraschungen.

Die TNT-Serie "4Blocks" mit Kida Khodr Ramadan (v.l.n.r.), Frederick Lau und Veysel Gelin erhält einen Grimme Preis 2018.
Die TNT-Serie "4Blocks" mit Kida Khodr Ramadan (v.l.n.r.), Frederick Lau und Veysel Gelin erhält einen Grimme Preis 2018.Foto: dpa

An „Babylon Berlin“ – die Serien-Koproduktion von ARD und Sky ist immerhin die bis dato teuerste deutsche Serie – kam der 54. Grimme-Preis verständlicherweise genauso wenig vorbei wie an der von Kritik und Publikum gleichermaßen geschätzten TNT-Serie „4Blocks“ über den arabische Hamady-Clan in Neukölln. Überraschender war da am Mittwoch die Vergabe mehrerer Grimme-Preise an die in Deutschland produzierte Netflix-Serie „Dark“, mit der erstmals eine Eigenproduktion eines Streamingdienstes ausgezeichnet wurde.

Die Jury lobte die Mystery-Serie insbesondere dafür, wie mit verschiedenen gleichzeitigen ablaufenden Zeitebenen neue Erzählformen ausprobiert wurden. „Die Qualität dieser hochklassigen Serien zeigt, dass Deutschland auch auf dem internationalen Serienmarkt bestehen kann“, sagte Grimme-Chefin Frauke Gerlach. Die drei Produktionen stammen entweder von Pay-TV-Sendern, oder entstanden unter ihrer Beteiligung.

Die Grimme-Preise werden vom Deutschen Volkshochschul-Verband vergeben und gelten als deutsche Fernseh-Oscars. In diesem Jahr erhalten 68 Preisträgerinnen und Preisträger eine Auszeichnung, so viele wie noch nie. Weitere Preise in der Kategorie „Fiktion“ gehen an den ZDF-Zweiteiler „Landgericht – Geschichte einer Familie“ mit Johanna Wokalek und Ronald Zehrfeld als jüdisch-christliches Ehepaar in der Nachkriegszeit sowie den ARD-Fernsehfilm „Zuckersand“ über Kindheit in der DRR.

Nicht ohne Böhmermann

Keine Grimme-Preise ohne Jan Böhmermann heißt es auch 2018. Zum vierten Mal nach 2014, 2016 und 2017 bekommt das Team der Bildundtonfabrik für einen Beitrag aus dem „Neo Magazin“ beziehungsweise dem „Neo Magazin Royale“ eine Auszeichnung. Die Sendung „Eier aus Stahl – Max Giesinger und die deutsche Industriemusik“ sei einer der raren Unterhaltungshöhepunkte des Jahres 2017, hieß es bei der Bekanntgabe der Preisträger am Mittwoch.

Für ihre „bitterböse Medienkritik“ beim #GoslingGate wird die ProSieben-Sendung „Circus HalliGalli“ ausgezeichnet. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf hatten der „Goldenen Kamera“ bei der Preisvergabe einen falschen Ryan Gosling untergeschoben. Für dessen Darstellung wurde der Münchener Koch Ludwig Lehner gelobt.

Bitterböse ist „Germania“ keineswegs. In dem Youtube-Format des Jugendangebots funk von ARD und ZDF schildern Kinder aus Einwandererfamilien ihre Sicht auf Deutschland und die Deutschen. Ein weiterer Preis in der Kategorie „Kinder & Jugend“ ging an die BR-Serie „5vor12“. Sei zeige „ohne einen Anflug von Didaktik“, wie fünf jugendliche Straffällige zusammen mit zwei Trainern sechs Wochen auf einer einsamen Hütte in den bayerischen Bergen verbringen. Auf eine dritte Auszeichnung in dieser Kategorie verzichtete die Jury mangels preiswürdiger Programmideen.

Besondere Beachtung in der Kategorie „Information & Kultur“ fand der NDR mit seinen „Panorama“-Reportern für deren Berichterstattung zu den Ereignissen des G20-Gipfels. Die Jury hob die investigative Berichterstattung hervor, die vorbildhaft sei für einen ausgewogen urteilsbildenden Journalismus, der keine vorgefertigten Meinungen über den Bildschirm verbreitet.

Maren Kroymann und Sebastian Colley erhalten in der Grimme-Kategorie „Unterhaltung“ einen Preis für „Kroymann“. In der 2017 gestarteten Sendung von Radio Bremen würden „hochaktuelle Fragen – von der #MeToo-Debatte bis zur AfD – in kleine Kammerspiele gegossen, die bei aller Freude an der spitzen Pointe eindeutige Antworten nicht schuldig bleiben“. Der Publikumspreis der Marler Gruppe geht an „Eine unerhörte Frau“ von Arte und dem ZDF.

Die Verleihung der 54. Grimme-Preise findet am 13. April in Marl statt und wird von 3sat zeitversetzt ab 22 Uhr 25 ausgestrahlt. Kurt Sagatz

Alle Preisträger unter www.grimme-preis.de/

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