Medien : Cäsar, blutbespritzt

Der Sechsteiler „Rom“ vernachlässigt die Historie für ansehnliche Spielszenen

Thomas Gehringer

Ganz Gallien ist von Römern besetzt? Aber ja. Kein Zaubertrank hinderte Gajus Julius Cäsar daran, die keltischen Stämme Galliens im Jahr 52 vor Christus bei Alesia endgültig zu unterwerfen und sich in Rom nach jahrelangem Bürgerkrieg zum Alleinherrscher aufzuschwingen. Es ist zwar chronologisch nicht ganz korrekt, aber doch nachvollziehbar, dass ein aufwendiger Fernseh-Sechsteiler über Aufstieg und Fall des Römischen Reichs mit dieser bedeutenden Persönlichkeit beginnt. Die britischen Autoren James Wood und Nick Green feiern in „Expedion: Rom – Cäsars Spiel um die Macht“ seine militärischen Fähigkeiten, zeigen den erfolgreichen Feldherrn aber auch als ruhm- und machtbesessenen Politiker.

Bevor Cäsar das Schlachtfeld betritt, ordnet er im Spiegel eitel die Frisur. Dann greift er zum Schwert, wirft sich ins Getümmel, feuert, vom Blut der Feinde bespritzt, seine Leute an. Tatsächlich habe sein Erscheinen die Schlacht von Alesia entschieden, behauptet Klaus Reinhardt. Cäsar sei ein Mann „von unglaublichem Charisma“ gewesen. Reinhardt wird hier als Historiker vorgestellt, was schon überrascht. General a.D. Reinhardt hat selbst eine lange militärische Laufbahn hinter sich und war unter anderem Leiter der Friedenstruppen im Kosovo. Hier tritt er als Kronzeuge für die Qualitäten Cäsars als Feldherr auf. Für das Gesamtbild zuständig ist der TU-Historiker Werner Dahlheim, der eine viel beachtete Cäsar-Biographie veröffentlicht hat. Er sieht Cäsar als einen von dem Wunsch nach Anerkennung getriebenen Menschen.

Die beiden Experten sind der deutsche Beitrag zu der Gemeinschaftsproduktion von BBC und ZDF. Dagegen wurden die in Bulgarien, Tunesien und Marokko gedrehten Spielszenen mit britischen Darstellern besetzt. Den Cäsar gibt Sean Pertwee überzeugend, nur das außergewöhnliche Charisma will nicht so recht rüberkommen. Dafür ist Pertwees Cäsar kalt und brutal, kein strahlender Heerführer, sondern einer, der eigene Soldaten niedermetzeln lässt, um die Disziplin wiederherzustellen. Die Spielszenen sind für eine historische Dokumentation außergewöhnlich ansehnlich, sowohl die Action in den Schlachten als auch die Dialogszenen.

Aber die üppige Fiktion hat ihren Preis. Wichtige Stationen in Cäsars Lebenslauf fehlen ebenso wie Vor- und Wirkungsgeschichte, politische und soziale Hintergründe. Wie lebte es sich in Rom unter Cäsars Herrschaft? Was blieb von ihm, außer dass sein Name als Herrschertitel jahrhundertelang fortlebte? Mit solchen Fragen ist das plakative Geschichtsfernsehen von heute zunehmend überfordert.

„Expedition: Rom“, ZDF, 19 Uhr 30

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