• Chemnitz- und AfD-Debatte bei Markus Lanz: "Björn Höcke habe ich da jetzt nicht zuschlagen sehen"

Chemnitz- und AfD-Debatte bei Markus Lanz : "Björn Höcke habe ich da jetzt nicht zuschlagen sehen"

Zwischen Rechthaberei, Faktencheck, Beleidigung und Verständnis: Bei Markus Lanz wurde AfD-Mann Hinrich Lührssen vorgeführt.

Hinrich Lührssen vom Landesverband der Bremer AfD
Hinrich Lührssen vom Landesverband der Bremer AfDScreenshot: Tsp

Wie nahe sind sich die AfD, Pegida und die Rechtsextremen? Eine Frage, die gerade auch nach den Vorfällen von Chemnitz die deutschen Talkshows umtreibt. Markus Lanz hatte im ZDF am späten Dienstagabend dazu einen alten Journalistenkollegen zu Gast: Hinrich Lührssen, bekannt als TV-Reporter von "stern tv". Vor einigen Monaten hat er sich dem Landesverband der Bremer AfD angeschlossen.

Bei Lanz sollte Lührssen über seine Beweggründe sprechen. Und die Art und Weise, wie das der Moderator in Angriff nahm, war beeindruckend - zumindest auch vor dem Hintergrund, dass den öffentlich-rechtlichen Sendern nach der Bundestagswahl vorgeworfen wurde, dass sie massiv dazu beigetragen hätten, die AfD eben nicht klein, sondern groß zu machen.

Es falle ihm schwer, das Gespräch mit Lührssen zu führen, begann Lanz. Man kenne sich persönlich seit Jahren. Aber er wolle wissen: "Was treibt einen Journalisten dazu, einer Partei beizutreten, die ein Copyright auf den Begriff Lügenpresse hat?" Lührssen widerspricht, dass das so sei. Lanz: "Ich kenne dich so gut, das ist doch offensichtlich und eine Beleidung für deine Intelligenz."

Was treibt die Menschen um? Was macht sie so unzufrieden, so wütend?

Man wollte nun tiefer reingehen in die Chemnitz-Geschichte, dahinter kommen. Ursachenforschung. Was treibt die Menschen um, nicht nur in Chemnitz? Was macht sie so unzufrieden, so wütend? Was ist mit den Themen: steigende Mieten, Umweltprobleme, Dieselautos? Was schlägt die AfD dagegen vor?

Der AfD-Mann bekam von Lanz drei Minuten, um die Problemlösungskompetenz der AfD darzulegen, die mehr oder weniger nach einer Minute vorbei waren, als Lührssen die steigenden Mieten mit den eine Millionen Flüchtlingen in Zusammenhang brachte, die ins Land gekommen sind. Lanz: "Im Ernst, wir reden über Globalisierung, das sind doch jetzt genauso verzweifelte Antworten wie die von den etablierten Politikern."

Vielleicht war es nicht gerade eine Talk-Sternstunde, die Markus Lanz da am Dienstagabend hingelegt hat, vielleicht hätte man seinen Gast an der einen oder anderen Stelle auch mal ausreden lassen sollen, und vielleicht ist Lanz' Ex-Kollege Hinrich Lührssen, Stichwort Vorführeffekt, in dieser Hinsicht auch ein dankbarerer Studiogast als, sagen wir, Alice Weidel.

Vielleicht sagte Lanz, faktenchecktechnisch unterstützt vom Journalisten und Rechte-Szene-Experten Olaf Sundermeyer, auch einmal zu oft, es gehe ihm nicht darum, Recht zu haben, er wolle verstehen. Dieser Talk war aber auf jeden Fall ein Beleg dafür, wie mehr Klarheit in das Thema AfD/Pegida/Rechtsextremismus zu bringen ist. Mit Fakten, mit konkreten Fragen, mit Nachhaken, mit nahen Bewegtbildern wie denen, die Lanz seinem Gast zeigte, wo Rechtsextreme bei der Demo in Chemnitz auch gegen Journalisten vorgegangen sind.

Auf die Frage, wie es Lührssen damit ginge, dass sich Björn Höcke, der Thüringer AfD-Mann, ein Spitzenfunktionär der Partei. mit denen bei einem Trauermarsch zusammentue, antwortete Lührssen: "Ich habe jetzt nicht gesehen, dass Björn Höcke da geschubst oder geschlagen hat."


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