Der gekreuzigte Hase im ZDF : Für Satire entschuldigen?

Zulässige Satire oder ein Grund, um Entschuldigung zu bitten? Der gekreuzigte Plüschhase aus der „heute-show“ bringt ZDF-Intendant Bellut in Erklärungsnöte.

Die Passionsgeschichte als Lachnummer? Die Satire mit „Hasi“ lässt das ZDF nicht zur Ruhe kommen.
Die Passionsgeschichte als Lachnummer? Die Satire mit „Hasi“ lässt das ZDF nicht zur Ruhe kommen.Screenshot: Tsp

Der gekreuzigte Plüschhase lässt das ZDF nicht zur Ruhe kommen. Auf die öffentliche Entschuldigung von ZDF-Intendant Thomas Bellut von Mittwoch für einen satirischen Beitrag in der „heute-show“-Ausgabe vom 6. April schob der Sender am Freitag eine Erklärung hinterher. „Ich habe mein Bedauern darüber ausgedrückt, dass bei einem kleinen Teil der Zuschauer religiöse Gefühle verletzt wurden“, teilte Bellut der Deutschen Presse-Agentur mit. Allerdings habe nach Auffassung des ZDF kein Verstoß gegen Programmrichtlinien vorgelegen. „Es war eine für mich nachvollziehbare Reaktion der ,heute-show‘ auf eine politische Äußerung der AfD.“

In der Sendung nach der Osterpause hatte sich die „heute-show“ unter anderem mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und seinem Einsatz für „die christlich-abendländischen Werte“ beschäftigt. Dabei kam auch die Aufregung über die Umbenennung des Osterhasen in Traditionshasen durch einige Handelsunternehmen zur Sprache. Für AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen war das ein klarer Fall: „Die Unterwerfung geht weiter“, hatte er sich erregt, obwohl die Schokohasen bereits seit 1992 den neuen Namen tragen. Die „heute-show“ überspitzte die Rolle des Osterhasen „als zentraler Figur der christlichen Mythologie“ mit mehreren Bildern, darunter Jesus Christus als Plüschhase beim „letzten Hasenmahl“ und als Heiland, „der am Karfreitag am Kreuz für uns gestorben ist“. Juristisch hat die Satire jedenfalls kein Nachspiel, die Staatsanwaltschaft Mainz entschied sich gegen die Einleitung eines Strafverfahrens.

Auf dem Glatteis der religiösen Gefühle

Gegen die Satire hatte der Christliche Medienverbund KEP eine Programmbeschwerde eingelegt. In einer offiziellen Reaktion hatte Bellut nun Mitte der Woche Verständnis für diese Beschwerde geäußert – und um Entschuldigung gebeten. „Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn Sie sich über diese Art der Darstellung beschweren.“ Eine Herabwürdigung des christlichen Glaubens und seiner Symbole oder eine Verletzung religiöser Gefühle seien aber „zu keiner Zeit von der Redaktion beabsichtigt oder gar Ziel dieser Satire“ gewesen. Sollten religiöse Gefühle dennoch verletzt worden sein, „bitte ich dies zu entschuldigen“.

KEP-Geschäftsführer Christoph Irion akzeptierte die Entschuldigung. Durch die Satire sei der Eindruck entstanden, die Passionsgeschichte als zentraler Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens sei in der „ ,heute-show‘ zur flotten Lachnummer“ geworden. „Ernst gemeinte Entschuldigungen sind inzwischen eine Seltenheit. Diese Geste verdient Respekt“, erklärte Irion. Zugleich kritisierte er, dass Bellut die Programmbeschwerde „argumentativ nicht entkräftet“ habe. Die Beschwerde ist somit noch nicht vom Tisch, sie wird noch Programmausschuss und Fernsehrat beschäftigen. Was darf Satire, das Thema hat noch viele Kapitel. Kurt Sagatz

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