Gemischte Gefühle

Seite 2 von 2
Update
Aufschrei : Sexismusdebatte im Netz

Die große Resonanz im Netz lässt erahnen, wie wichtig die Debatte um Grenzen und Grauzonen im sozialen Miteinander zu sein scheint. "Liebe Frauen, lasst #Aufschrei bitte keine einmalige Sache sein, sondern den Hashtag, an dem man(n) seine Alltagswahrnehmung justieren kann.", bittet beispielsweise mspro.

Nicht nur die Tweets, auch die Anzahl der Blogbeiträge zu diesem Thema wächst seit Freitagmorgen stetig an. Unter "kleinerdrei.org" berichtet beispielsweise die Bloggerin "Maike" von unterschiedlichen Begebenheiten und zeigt mit Beispielen, wie sie selbst Opfer von anzüglichen Sprüchen wurde. "Normal ist das nicht", titelt sie und schreibt: "Solche Erlebnisse prägen – dabei kann ich noch von Glück sprechen, denn mir ist keine körperliche Gewalt widerfahren. Aber die Angst bleibt und geschürt wird sie immer wieder mit alltäglichen Sexismen, die ich und viele andere Menschen – meist Frauen – auf der Straße erleben."

Reaktionen auf Sexismus-Vorwürfe gegen Brüderle
Die Stern-Redakteurin Laura Himmelreich beschuldigt Rainer Brüderle, seit Montag Spitzendkandidat der FDP, ihr zu nah gekommen zu sein. Am Rande des Dreikönigstreffen der FDP vor einem Jahr soll er sexuelle Anspielungen gemacht haben. Rainer Brüderle hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Einige andere aber schon...Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: dpa
24.01.2013 17:26Die Stern-Redakteurin Laura Himmelreich beschuldigt Rainer Brüderle, seit Montag Spitzendkandidat der FDP, ihr zu nah gekommen zu...

Ninia LaGrande wirft in ihrem Blogbeitrag unter dem Titel "Böses Mädchen" den Blick aber auch auf ein ganz anderes Grundproblem. Am Beispiel eines Freundes beschreibt sie die Situation der Männer, die sich mit dieser Debatte auseinandersetzen: "Ein Freund schrieb mir heute, er käme sich oft vor wie ein "Pro-Forma-Täter". Er sei ein Mann und deshalb eine Gefahr. Er wisse nicht, wie er sich beispielsweise benehmen solle, wenn er abends zufällig hinter einer Frau eine Straße langgehen müsse."

Ein Großteil der User im Netz, darunter viele Männer, reagieren ähnlich sensibilisiert oder gar schockiert. "Die #Aufschrei Timeline lässt mir ja schon einen Schauer über den Rücken jagen und mir wird übel..." ist vielerorts zu lesen. Doch auch der allgemeine Umgang der Stern-Redaktion mit der Debatte selbst, die die Redaktion durch ihren Beitrag ursprünglich ins Leben rief, führt zu Kritik im Netz. So twitterte die Stern-Redaktion am Donnerstagnachmittag über den offiziellen Account: "Wir müssen es konstatieren: Die Partei der Chauvis, Grapscher und Herrenreiter kommt immer noch locker über 5 Prozent. #Brüderle" Dieser, im ersten Moment wie auf FDP zugeschnittene Tweet, sorgte mit seiner Pauschalisierung für Kritik. Der "Stern" entschuldigte sich aber nach einiger Zeit: "Sorry, das war zu flapsig. Klarstellung: Damit war nicht die #FDP gemeint, sondern eine fiktive Partei der sexistischen Männer."

Dass die Thematik Zündstoff enthält, zeigt auch die Debatte unter dem Facebookbeitrag des Nachrichtenmagazins. Fast 500 Kommentare sind hier bereits unter dem Beitrag versammelt. Die Stern-Redaktion lenkt aber auch hier ein: Kritik am Umgang mit der Thematik und der redaktionellen Entscheidung des Sterns sei in Ordnung, so der Social Media Verantwortliche dort: "Aber unterscheiden Sie bitte zwischen Frau Himmelreich als Frau und und dem Bericht an sich. Denn es sind zwei unterschiedliche Themen."

Der Twitter-User "Pant3r" fasst die Debatte und seine persönliche Haltung dazu in 140 Zeichen zusammen: "Gemischte Gefühle bei #Aufschrei. Finde es total schwer den richtigen Grad zwischen respektvollem Umgang und falscher PC zu finden."

(mit Max Muth)

Autor

48 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben