Dokus im Netz : Im Reich der Schätze

Eine Online-Plattform empfiehlt Gratis-Dokus im Internet. Fraglich ist, ob Nutzer bereit sind, dafür zu bezahlen.

Tüpfelhyäne in Kenia. Die Doku „Hyänen - Die Königinnen der Masai Mara“ steht nur bis 3. Januar in der 3sat-Mediathek.
Tüpfelhyäne in Kenia. Die Doku „Hyänen - Die Königinnen der Masai Mara“ steht nur bis 3. Januar in der 3sat-Mediathek.Foto: ZDF und ORF/Cosmos Factory/Haral

TV-Doku-Liebhaber waren und sind meistens Nachteulen. Wer einen 90-minütigen Dokumentarfilm über Tüpfelhyänen in Ostafrika sehen will, schaltet zwischen 22 und 23 Uhr am Abend den Fernseher ein, manchmal noch später, da Dokumentarfilme oft spät abends ausgestrahlt werden. Doku-Schätze gibt es allerdings auch in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender oder auf Videoportalen wie YouTube und Vimeo. Weil das Angebot unüberschaubar ist, haben der Berliner Programmierer Dirk Bartels und der Marketing-Experte Heiko Haenler die Online-Plattform Featvre, gesprochen Feature, gegründet. „Die besten Dokus, die Du online finden kannst“ ist ihr Versprechen.

Das zehnköpfige Featvre-Team sitzt in Potsdam-Babelsberg und scannt das Netz nach sehenswerten, gratis abrufbaren Dokus, die sie durch Verlinkungen auf der Seite empfehlen. Darunter kurze und längere Beiträge, etwa von ARD, ZDF, Arte, aber auch von Online-Plattformen wie Vice und Dbate. Ausländische Beiträge, unter anderem von Al Dschasira, gibt es vereinzelt. Kategorisiert sind die Inhalte in Aktuelles, Politik, Kultur und Wissen. 80 000 Nutzer haben das Portal, das dieses Jahr startete, zuletzt monatlich besucht.

Auf den ersten Blick ist wenig nachvollziehbar, welchen Mehrwert eine Empfehlungsplattform für Dokus im Netz hat, die es in ähnlicher Weise mit dem Blog Mediasteak gibt und in Konkurrenz zu Netflix und Co. steht. Featvre-Mitgründer Dirk Bartels erklärt: „Sich durch die Mediatheken zu wühlen, ist unglaublich frustrierend. Dokus sind auffindbar, aber es ist mühselig.“

Da es aus Sicht der Macher keine brauchbare Übersicht aller vorhandenen Dokus und Reportagen gebe, haben sie Featvre, das vormals Un-TV hieß, gegründet. Warum nur Dokus? „Wir denken, dass die Leute nach Spielfilmen und Serien leicht googeln können, außerdem decken Netflix, Amazon und iTunes den Unterhaltungssektor gut ab. Non-Fiction ist ein sehr fragmentierter Markt, es gibt etwa Kultur, Theater, Wissenschaft, das decken weder Google noch die Streaming-Anbieter ab.“

Was sagen die Sender, die hinter den Dokus stehen, zu dem Angebot?

Die Idee gab es vor einem Jahr schon mal. Damals bot die Plattform Quazer Reportagen und Dokumentationen durch lizenzierte Inhalte aus dem Fernsehen, sowie Videos von Vimeo und YouTube an, ist heute aber online nicht mehr abrufbar. Anders als dieses Quazer kauft October First, das Unternehmen hinter Featvre, noch keine eigenen Lizenzen. Neben Verlinkungen bindet Featvre bestimmte Videoplayer auf der Seite ein (Embedding), immer nach Absprache mit den Lizenzinhabern, sagt Bartels. Das geschieht etwa bei Inhalten des Doku-Portals Tierwelt live.

Was sagen die Sender, die hinter den Dokus stehen, zu dem Angebot? „Wir haben nichts dagegen einzuwenden, dass die Nutzer in dieser Form auf die hochwertigen Doku- und Feature-Formate der ARD-Mediathek hingewiesen werden“, so ein Sprecher des SWR. Eine ZDF-Sprecherin teilte mit, die Verlinkungen erfolgten nicht in Absprache mit dem Sender, mehr Zugriffe auf die ZDF-Mediathek seien aus ihrer Sicht jedoch positiv.

Die Mediatheken betrachtet Bartels als „wichtigen Kooperationspartner“, denn ohne hochwertige Dokus wie „Bimbes“ oder „Freedom. George Michael“ gäbe es nichts zu empfehlen. Wenn das Geschäftsmodell aufgeht, will Featvre, so Bartels, Inhalte selbst anbieten. „Wenn es die guten Beiträge nicht mehr in den Mediatheken gibt, weil die Rechte abgelaufen sind, dann würden wir uns entsprechen bemühen, diese zu erwerben.“

Aktuell ist das Angebot kostenlos, 2018 sollen verschiedene Finanzierungsmodelle eingeführt werden. Darunter personalisierte Werbeeinblendungen, die im Kontext der jeweiligen Doku stehen sollen – bei einem Reisebericht über Thailand wäre eine Anzeige für Bangkok-Flüge denkbar – oder ein Abo-Modell, bei dem Doku-Fans Featvre für eine monatliche Zahlung von drei bis fünf Euro werbefrei nutzen können. „Wir werden die Seite aber nicht mit Werbung zukleistern und keine Paywall hochziehen.“

Fraglich ist, ob Nutzer bereit sind, dafür zu bezahlen, um Dokus empfohlen zu bekommen, die sie bereits über ihre Rundfunkgebühren bezahlt haben. Und an Targeted Advertisement, sprich personalisierte Anzeigen, haben sich viele Menschen bereits gewöhnt – oder Wege gefunden, um diese auf dem Bildschirm zu umgehen.

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