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Dschungelcamp : Micky Beisenherz - Der Herr über die Gürtellinie
Lucas Vogelsang

Das sind die Dschungelcamp-Kandidaten 2014
Larissa Marolt. Die 21-Jährige ist das Dschungelküken, aber hat nicht weniger Castinghistorie als ihre Mitstreiter: Erster Platz bei "Austria's Next Topmodel" (ANTM), dann irgend eine andere Platzierung bei "Germany's Next Topmodel" (GNTM). Marolt machte dann ihr Abitur und wurde an der renommierten "Lee Strasberg"-Schauspielschule in New York angenommen. Skurrilerweise ist sie nun wieder hier. Dann eben: IBES, HMHR!Weitere Bilder anzeigen
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10.01.2014 16:13Larissa Marolt. Die 21-Jährige ist das Dschungelküken, aber hat nicht weniger Castinghistorie als ihre Mitstreiter: Erster Platz...

Dort macht Beisenherz im Grunde nichts anderes als früher beim Radio: Gemeinsam mit seinem Partner Jens Oliver Haas, ehemaliger BILD-Reporter und Ehemann der Moderatorin Sonja Zietlow, verarbeitet er Tagesgeschehen zu Pointen. Und man kann sagen: bisher ist ihm das ganz gut gelungen.

Seit zehn Jahren gibt es das Format, und doch hat sich die Wahrnehmung der Show in den vergangenen drei Jahren noch einmal grundlegend verändert. Ging es anfänglich noch einzig um den Ekel - Maden, Spinnen, Costa Cordalis – und die Lust daran, Menschen beim Kotzfruchtschlucken zuzusehen, rückten mit einem mal die Moderationen in den Vordergrund. Das sauber aufeinander abgestimmte Hin- und Her zwischen Sonja Zietlow und dem mittlerweile verstorbenen Dirk Bach damals, sowie dessen Nachfolger Daniel Hartwich heute. Dieses Wechselspiel aus hämischem Vorschlaghammer und ganz fein gesetztem Seziermesser. Titten und Kinski. Ochsenpimmel und Merkel. Das war in seinen besten Momenten plötzlich Late Night, nur dass im Hintergrund nicht die Skyline Kölns leuchtete, sondern australische Sümpfe dampften. Das Feuilleton schreckte auf. 2013 wurde die Show für den Grimme-Preis nominiert. Und es war nicht ganz klar, ob Haas und Beisenherz nun das Privatfernsehen unterwandert hatten, grenzintellektuelle Guerilla, oder ob es ihnen einfach nur gelungen war, einen dampfenden Haufen Urwaldmüll mit ein wenig bildungsbürgerlichem Zuckerguss so zu kaschieren, dass er auch für die Kritiker verdaulich wurde. Mund auf, Augen zu.

Beisenherz jedenfalls sagt: „Mir wäre es unrecht, wenn der Zuschauer am Ende einer solchen Sendung dümmer nach Hause geht, als er zuvor gekommen ist.“ Das ist der Anspruch, den er an sich selbst stellt. Wobei das im Spannungsfeld einer solchen Sendung, Trash und Pop, Boulevard-Massenware und Kabarett-Delikatesse, natürlich immer auch ein Balanceakt ist. Die Gürtellinie ist hier ein schmaler Grat. Die Quote beginnt meist dahinter.

Das Gagschreiben, wie es Beisenherz beschreibt, ist einem Boxkampf über die volle Distanz nicht unähnlich. Das gibt gerne brachial auf die Zwölf, dann aber wird gleich wieder an den Seilen getänzelt. Humor auf Strecke, nennt er das: „Mein Lieblingsbeispiel dafür sind die Simpsons. Da klatscht der Feuilletonist begeistert in die Hände, weil er im Hintergrund eine wunderbare Hommage an Fritz Langs Metropolis entdeckt hat. Dann bekommt Homer einen Football in die Eier. Und im nächsten Moment gibt es wieder eine Anspielung auf den Fänger im Roggen.“

Viel Zeit für Kunst gibt es im Camp, jeden Tag eine Live-Show, trotzdem nicht. Comedy-Autoren, selbst solche wie Beisenherz, machen im Normalfall eben eher Volksmusik als Jazz. Sie produzieren Witze. „Wir sind vor allem gute Handwerker“, sagt er dann auch, „denn bei einer solchen Schlagzahl von Sendungen sollte man tatsächlich einfach wissen, welche Schublade man in welcher Situation aufziehen muss und was dann da drin liegt.“

Natürlich besteht bei diesem Griff in die Schublade, den Nachtschichten am Humorfließband, auch immer die Gefahr der Nivellierung. Beisenherz ist einer, der gerne mit den großen Themen spielt, sie herunterbricht, um sie anschließend mit dem Geschehen im Dschungel zu verweben. Oftmals ist das virtuos, wunderbar leichtfüßig. Wenn etwa plötzlich der ADAC wie selbstverständlich im Kontext der Dschungelprüfungen einen punktgenauen Seitenhieb erhält. Das sind die großen Momente dieser Show. Ein andermal aber, die Gürtellinie ein schmaler Grat, funktioniert genau das nicht. Dann wird die Burka-Debatte, zusammen mit einem Schlagerhoden, einfach mit einer Kelle Kakerlakensuppe hinunter gespült. Nur: wenn alles gleich witzig ist, ist eben auch alles gleich wichtig.

„Wenn wir jedes Thema auf sein Tragikpotenzial abklopfen, dann brauchen wir tatsächlich länger als fünf Stunden, um eine Sendung zu schreiben“, erklärt Beisenherz, fügt aber auch gleich hinzu: „Wir haben allerdings nicht vor, den Menschen ein falsches Weltbild einzuimpfen. Viel eher geht es darum, einem Thema humoristisch beizukommen.“ Wichtig ist ihm, trotz Trash, trotz Zeitdruck, vor allem die Haltung: „Wir sagen eben auch: kommt uns doch nicht mit so einem Mist wie Sozialtourismus. Da kann man die Leute in unserer Sendung doch auch wunderbar sensibilisieren.“ Die Botschaft, sie schwimmt im Brackwasser der Pointe. So, bitteschön, soll es ja auch sein. Schließlich ist das, was er da macht, eben zuvorderst Unterhaltung. Dem ist er sich, Privatfernsehmann Beisenherz, natürlich bewusst. „Nur zynisch dürfen wir nicht werden“, sagt er schließlich, „Zynismus ist Kapitulation.“ Dann beendet er das Gespräch. Micky Beisenherz, Herr über die Gürtellinie. Muss zurück in den Container. Muss, Grüße an die Mudder, schauen, wo die Schamgrenze in dieser Nacht verläuft.

 

Steckbrief Micky Beisenherz

Micky, eigentlich Michael, Beisenherz wurde am 28. Juni 1977 in Recklinghausen geboren. Nach dem Abitur am Adalbert-Stifter-Gymnasium in Castrop-Rauxel ging er zum Radio. Beisenherz, der bereits für diverse Comedians gearbeitet hat, u.a. Atze Schröder und Dieter Nuhr, ist heute Autor für das RTL-Dschungelcamp,  die Heute-Show und Leute, Leute! Neben seiner Tätigkeit als Gagschreiber steht Beisenherz auch immer wieder selbst vor der Kamera. So moderierte er u.a. Formate auf RTL II oder im ZDF. Zudem ist Beisenherz jede Woche gemeinsam mit der Kollegin Steffie Werner in der Youtube-Show „Halt die Klappe zu sehen.“

Hier finden Sie den Link zur Show.

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