Erste TV-Nachrichtensprecherin : Journalistin Wibke Bruns wird 80

Print und Buch, Hörfunk und Fernsehen: Die Journalistin und Autorin Wibke Bruhns feiert am Samstag ihren 80. Geburtstag.

Eine Grande Dame des Journalismus: Wibke Bruhns.
Eine Grande Dame des Journalismus: Wibke Bruhns.Foto: picture alliance / dpa

Für das ganz große Publikum gibt es Wibke Bruhns zweimal, als Gerücht und als Tatsache. Dem Gerücht nach hatte die damalige „Stern“-Reporterin mit dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt eine Affäre. Das hat Bruhns wieder und wieder dementiert. Nicht dementieren musste sie, dass sie vom 12. Mai 1971 an erste Nachrichtensprecherin im westdeutschen Fernsehen war, bei „heute“ im ZDF. Ihre Begeisterung für die sozialdemokratische Politik verleitete sie 1972, den Wahlkampf von Brandt zu unterstützen. Dass eine programmprägende ZDF-Mitarbeiterin sich parteipolitisch derart exponierte, empörte vor allem die CDU. Bruhns verließ das ZDF, nicht deswegen, sondern weil das Vorlesen anderer Leute Texte nicht ihr Ding war.

Als Klammer ihrer langen journalistischen Karriere gesehen: Wibke Bruhns wandelte mit großer Sicherheit zwischen den Medienwelten, zwischen Print und Fernsehen. Sie schrieb für den „Stern“, als Korrespondentin im herausfordernden Jerusalem bis 1983: „Meine Neugier war nicht mehr bereit, jeden Tag die neue Katastrophe zu erwarten.“ Washington war die nächste Station, mit ihrer Reportage über das Vietnam-Denkmal gewann sie den Egon-Erwin-Kisch-Preis. Wibke Bruhns blieb 14 Jahre beim „Stern“ und stets in kritischer Distanz.

Kulturchefin beim ORB

Danach wieder Fernsehen, für den WDR zusammen mit Gisela Marx die politische Talkshow „Drei vor Mitternacht“, WDR-Hörfunk, Filme für Arte und Südwestfunk, Kolumnen, Kommentare, Kritiken für verschiedene Printmedien, später auch für den Tagesspiegel. 1995 ging sie zum Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) nach Potsdam und wurde dessen Kulturchefin.

Wibke Bruhns war da längst eine gewichtige Stimme im deutschen Journalismus geworden. Kitzlige Themen, Recherchegenauigkeit und ein uneitler, pragmatischer Grundton zeichneten ihre Texte aus – wie auch ihre Sachbücher: „Mein Jerusalem“ (1982), „Meines Vaters Land“ (2004) und „Nachrichtenzeit. Meine unfertigen Erinnerungen“ (2012).

„Meines Vaters Land“ sticht heraus, die Geschichte ihrer Familie, ihres ihr so lange so fremden Vaters Hans Georg Klamroth, der sich vom Nazi-Begeisterten zum Mitwisser des Hitler-Attentats 1944 wandelte und dafür in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. Das Buch, eine faszinierende Mischung aus Familienchronik, Zeitreport und Vater-verstehen-Suche, geriet der Autorin zum Bestseller, weil es diese bürgerliche Familie Klamroth aus Halberstadt nicht so, aber doch so ähnlich im Deutschen („Dritten“) Reich viele Millionen Mal gab.

Am Samstag feiert Wibke Bruhns ihren 80. Geburtstag.

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