Flüchtlings-Doku beim KiKa : Unbegleitete Zuschauer

Der Kinderkanal hat die Beziehung zwischen einem deutschen Mädchen und einem syrischen Jugendlichen zu Recht thematisiert. Aber auch Fehler gemacht. Ein Kommentar.

"Malvina, Diaa und die Liebe": Die Debatte um die KiKa-Doku geht weiter.
"Malvina, Diaa und die Liebe": Die Debatte um die KiKa-Doku geht weiter.Screenshot: Tsp

Der Kinderkanal von ARD und ZDF hat sich Mädchen und Jungen zwischen drei und 13 Jahren zur Zielgruppe genommen. Das ist eine Zeit- und Entwicklungsspanne, die ein Fernsehprogramm alleine kaum bewältigen kann. Was, wenn sich nun ein KiKa-Beitrag die Beziehung zwischen der deutschen, 16-jährigen Malvina und dem syrischen, 19-jährigen Diaa zum Thema nimmt? Am 26. November 2017 war das, in der Doku „Malvina, Diaa und die Liebe“. Das Mädchen und der Flüchtling aus Aleppo zeigen ihre Zuneigung und sie erzählen von den allerdings großen Problemen, die sich aus der jeweiligen Kultur ergeben.

Es gibt keinen Kommentar, keine Erläuterungen, die 24 Minuten sind quasi ein Protokoll. In dieser Dramaturgie liegt ein Versäumnis der Produktion des Hessischen Rundfunks für den KiKa. Es fehlt die notwendige Einbettung in eben den Kontext der beiden Kulturen, was Beziehung und ihre Bedingungen angeht. Da macht sich der Beitrag einen sehr schlanken Fuß.

Überforderung der KiKa-Zielgruppe?

Das hätten die Verantwortlichen erkennen und nochmals scharf darüber nachdenken müssen, ob das so behandelte Thema nicht eine Überforderung der Zielgruppe darstellt. Keiner kann genau prognostizieren, welches Alter beim KiKa was sieht. Natürlich richtet sich die ausgezeichnete Reihe „Schau in meine Welt“ nicht an die Kleinen, aber sind Zehn- oder Zwölfjährige in der Lage, den komplexen Subtext einer Liebe zwischen einer jungen Deutschen und einem jungen Syrer zu wissen, mitzudenken?

Der KiKa handelt richtig und verantwortungsvoll, wenn er den Themenkreis „Flüchtling“ ins Programm nimmt. Nicht weichgespült, nicht rosa angestrichen, sondern selbstbewusst auch dann, wenn AfD-Politiker Dirk Spaniel auf „unerträgliche und gefährliche Propaganda der Staatsmedien“ erkennt.

Es ist nicht an der Alternative für Deutschland (AfD), darüber zu bestimmen, was im Kinderkanal gesendet wird. Zugleich es ureigenste Aufgabe der Macher sein muss, mit großer Sorgfalt die Inhalte, ihre Machart und ihre Platzierung zu bedenken. Die Kritik der AfD ist nur dann Geschrei, wenn keine Punkte zur Kritik angeboten werden.

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