Gunter Sachs : Der traurige Jongleur

Die ARD zeigt ein umfassendes Porträt von Gunter Sachs. Der kürzlich bekannt gewordene Steuerskandal wirft lange Schatten auf den legendären Gentleman-Playboy.

Ist unser Leben nicht schön? Gunter und Mirja Sachs posieren im Salon des Palace-Turms, St. Moritz 1969.
Ist unser Leben nicht schön? Gunter und Mirja Sachs posieren im Salon des Palace-Turms, St. Moritz 1969.Foto: NDR/Privatarchiv Familie Sachs

„Er hat mit Geld elegant jongliert“, sagt Gunnar Sachs in diesem Filmporträt über seinen Vater. Er meint damit, dass der mehrfache Millionär Gunter Sachs nie wirklich verschwenderisch mit Geld umging, es nicht als Selbstzweck behandelte, sondern damit vor allem sich und anderen Träume ermöglichte. Auf dem Hintergrund des jetzt bekannt gewordenen Steuerskandals, bei dem offenbar durch verwinkelte Konstruktionen Vermögen verschleiert wurde, klingt eine solche Aussage noch einmal ganz anders. Doch die Charakteristik des Jongleurs trifft auf Gunter Sachs, den die ARD unter dem Titel „Der Gentleman-Playboy“ in einem 75-minütigen Film porträtiert, sicherlich zu. Denn auch wenn sein Lebensstil etwas beneidenswert Leichtes und Selbstsicheres hatte, gehörten doch auch enorme Disziplin und das Streben nach Perfektionismus dazu.

Die Autoren Jens Nicolai und Kay Siering brachten die engsten Familienangehörigen wie Ehefrau und Witwe Mirja Sachs und seine Söhne Rolf, Gunnar und Alexander dazu, über ihr Leben mit Gunter Sachs und dessen Selbstmord im Mai 2011 zu sprechen. Auch enge Freunde wie Roman Polanski, Thomas Gottschalk und Mario Adorf kommen zu Wort.

Eine Schwierigkeit bestand für das Fernsehteam darin, eigene Akzente gegen die Flut von Film- und Fotomaterial zu setzen, die von dieser Ikone eines Lebemanns existieren. Inszenierung war eines der Lebensthemen von Sachs, der unermüdlich fotografierte, filmte, Kunst und Mode präsentierte oder Feste organisierte. Auch wenn dieses Porträt den Jongleur noch einmal hochleben lässt, zeigt es an manchen Stellen doch auch dessen Traurigkeit. Als Gunter Sachs fürchtete, die Bälle nicht mehr alle in der Luft halten zu können, nahm er sich im Alter von 78 Jahren das Leben. Sein Vater, der ebenfalls an Depressionen litt, hatte sich mit 62 Jahren erschossen.

Gunter Sachs kam 1932 als jüngster Sohn des Industriellen Willy Sachs in einem Schloss in Unterfranken zur Welt. Sein Vater leitete das Motorenwerk „Fichtel und Sachs“, das in beiden Weltkriegen auch Rüstungsgüter herstellte und sich bis in die 1980er Jahre hinein auf dem Weltmarkt behauptete. Willy Sachs’ Ehe mit Elinor von Opel, einer Enkelin von Adam Opel, war früh arrangiert worden. Noch vor Gunters drittem Geburtstag trennten sich die Eltern. Er wuchs mit seinem älteren Bruder bei seiner Mutter in der Schweiz auf. Dort besuchte er ein Elite-Internat, studierte Mathematik und Wirtschaft. Die Freundschaften, die er dort mit Millionärs- und Aristokratensöhnen schloss, hielten oft ein ganzes Leben.

Einige langjährige Weggefährten kommen im Film zu Wort. Alle scheinen durchdrungen von einer tiefen Bewunderung für diesen stets großzügigen Freund, der mit seiner Entourage von Kontinent zu Kontinent reiste. Man muss sehr genau hinhören, um hinter den Erzählungen vom charmanten Individualisten auch den zornigen Patriarchen zu entdecken.

Seine Söhne Rolf, 58, aus erster Ehe, Gunnar, 43, und Alexander, 31, beschreiben ihn als Familienmenschen, dem es wichtig war, immer wieder alle um sich zu versammeln. „Bei jedem Fest und bei jeder Reise musste am Schluss ein Gruppenfoto gemacht werden“, erzählt Gunnar Sachs. Tatsächlich sind die Wände des schweizerischen Chalets, in dem er sich am 6. Mai 2011 erschießt, zugehängt mit Hunderten von gerahmten Fotos, auf denen internationale Prominenz versammelt ist.

Für die Deutschen war Gunter Sachs in den 1960er Jahren durch seine kurze Ehe mit Brigitte Bardot und seinen Flirt mit Ex-Kaiserin Soraya „unser Mann im Jetset“. Er prägte das mondäne Leben in St. Moritz und St. Tropez, brachte Andy Warhol nach Deutschland und lebte so intensiv und risikoreich, dass es der Bonner Republik oft den Atem verschlug. Auch heute noch betrachtet man staunend diese Bilder. Manche Verkleidungen muten albern an, manche Schnappschüsse – etwa eine Aufnahme mit ihm und der ungeschminkten Soraya – berühren sehr.

„Der Gentleman-Playboy“, den der NDR gemeinsam mit BR, SWR und Schweizer Fernsehen bei dem Team von „Spiegel TV“ in Auftrag gab, ist auch ein Film über das Altwerden. Für einen Menschen, dem Jugendlichkeit, Schönheit und Tatkraft viel bedeuteten, mussten Vorahnungen von Gebrechlichkeit unzumutbar scheinen. Drei Monate vor seinem Tod fuhr Gunter Sachs ein letztes Mal mit dem Skeletonschlitten den berühmten Cresta Run in St. Moritz. Bei der Urkundenverleihung danach lächelt er stolz. Doch um seine Augen liegt dieser traurige, etwas leere Ausdruck.

„Der Gentleman-Playboy – Gunter Sachs“, Montag , 21 Uhr, ARD

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