• Hasso-Plattner-Institut und die Schufa: "Es gab niemals einen Auftrag, Leute auszuspionieren"

Und zwar mit welcher?

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Hasso-Plattner-Institut und die Schufa : "Es gab niemals einen Auftrag, Leute auszuspionieren"

Und zwar mit welcher?

Mit der digitalen Welt. Das ist noch keine Generation her, dass es die gibt. Deshalb ist es so wichtig, dass man erst einmal neutral Fakten sichert. Da gibt es Grenzen, was legal ist und was nicht, und sicher auch Grauzonen. Aber diese Grauzonen sind noch schwer zu beseitigen, weil die Entwicklung noch voll im Gange ist. Wir sind noch längst nicht am Ende unserer Möglichkeiten, wenn es darum geht, welches Wissen wir aus den unzähligen im Netz verfügbaren Daten schöpfen können.

Wann ist das Ende der Möglichkeiten erreicht?

Noch ist das Internet ziemlich dumm. Durch Data Mining aber ist es möglich, es klüger zu machen. Beispiel Google. Wenn ich hier das Wort „Golf“ eingebe, werden mir zur Zeit Links vorgeschlagen zum Auto, zum Golfsport und zum Golf von Mexiko. Durch die Verknüpfung von Daten könnte Google aber wissen, dass ich früher einmal Autowerbung im Netz gesucht habe, und mir deshalb vornehmlich Informationen zum Automodell Golf anbieten.

Data Mining macht uns zu gläsernen Menschen?

Wir werfen viele Schatten in der digitalen Welt. Welchen Einfluss die auf unser reales Leben haben, können wir zurzeit nur erahnen. Neu in der digitalen Welt ist, dass diese Schatten nicht oder noch nicht vergessen werden oder dass sie zusammengezogen ein umfassendes Bild von mir zeichnen. Auf der anderen Seite nutzen uns die neuen digitalen Medien in allen Lebenslagen, beim E-Mailen, beim Autofahren, beim Einkauf, bei der Partnerwahl und, und, und. Um zu unterscheiden, was legal ist und was nicht, gibt es Gesetze.

Geht es denn in diesem Fall nur um die Frage, was gesetzlich erlaubt ist oder müssen bei dem sensiblen Thema Daten nicht auch ethische Maßstäbe herangezogen werden?

Was legitim ist, bestimmen Datenschutzgesetze. Juristisch gesehen ist alles, was nicht verboten ist, erlaubt. Ethisch gesehen, ist natürlich nicht alles erlaubt, was nicht verboten ist. Als Wissenschaftler untersuchen wir die Technik, zeigen ihre Potenziale und ihre Risiken auf. Ein Missbrauch der Techniken ist genauso gut möglich wie der gute Gebrauch, das gilt für alle Techniken. Und ja, leider fließt sehr viel Energie in den Missbrauch von Techniken, denken Sie im Internet nur an die Hackerszene.

Gerade deshalb dürften viele Menschen Data Mining und Projekte, wie Sie es mit der Schufa geplant hatten, eher skeptisch bewerten.

In Deutschland ist es leider typisch, dass es auf der einen Seite eine absolute Erregung darüber gibt, wenn es um das Thema Sicherheit geht, die sich dann aber in kurzzeitiger Aufregung erschöpft, ohne Schlussfolgerungen zu ziehen. Und gleichzeitig gibt es auf der anderen Seite eine große Naivität, was den Umgang mit den eigenen Daten angeht.

Inwiefern?

Denken Sie nur an die Einkaufs- und Rabattkarten, bei denen auch gespeichert wird, wann sie wo eingekauft haben. Und ein soziales Netzwerk wie Facebook ist doch kein Sozialverein, der dafür sorgt, dass die Nutzer Freunde finden. Viele Menschen haben bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder Suchmaschinen wie Google das Gefühl, dass sie kostenlos seien – aber natürlich müssen die Nutzer bezahlen. Nicht mit Geld, sondern mit ihren Daten. Wenn Sie wissen wollen, was Ihre Daten bei Facebook wert sind, nehmen Sie den Wert des Unternehmens und teilen Sie ihn durch die Zahl seiner Nutzer. Wenn einem etwas geschenkt wird, sollte man immer skeptisch sein.

Sind Sie eigentlich selbst Mitglied bei Facebook?

Ich bin weder bei Facebook noch bei sonst einem sozialen Netzwerk Mitglied. Ich hätte gar keine Zeit dafür und abgesehen davon wüsste ich auch nicht, warum ich denen meine Daten geben sollte.

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