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"heute-show" : Dieter Amann akzeptiert Entschuldigung von Oliver Welke

Der AfD-Politiker Dieter Amann stottert - und die "heute-show" macht sich darüber lustig. Welke entschuldigt sich - und Amann akzeptiert Entschuldigung

"heute-show"-Moderator Oliver Welke (links) und AfD-Politiker Dieter Amann.
"heute-show"-Moderator Oliver Welke (links) und AfD-Politiker Dieter Amann.Foto: dpa

Dieter Amann hat die Entschuldigung von "heute-show"-Moderator Oliver Welke akzeptiert - unter der Bedigungen, dass Welke diese in der nächsten Sendung am 16. Februar vorträgt. Amann schreibt auf seinem Facebook-Account: "Meine demütigende Darstellung als behinderte Lachnummer hat traumatische Kindheitserinnerungen wiedererweckt, die ich längst vergessen wähnte und mich zutiefst geschmerzt. Nun hat sich Herr Welke mit angeblicher Unkenntnis dessen entschuldigt, dass ich sprachbehindert bin. Wenngleich mir das nur schwer glaublich scheint, möchte ich ihn als Mitmenschen nicht der Lüge bezichtigen und unterstelle ihm Aufrichtigkeit, wenn diese auch in der Sendung wiederholt wird."

Ihn tröste mehr, dass nun die moralische Rechtfertigung des Gebührenzwangsfernsehens vor aller Augen öffentlich demontiert worden sei. "Auch ich kann die Sender nicht abbestellen, die mich schwer beleidigt haben, muss die Verantwortlichen vielmehr weiter finanzieren", schrieb er weiter.

"heute-show" machte sich über Amann lustig

Was passiert war, nicht aber hätte passieren dürfen: Die ZDF-"heute-show" hatte sich in der vergangenen Sendung über den AfD-Sachverständigen Dieter Amann lustig gemacht. "Wir waren uns sicher, hier ist ein Bundestagsneuling etwas nervös, während er über Sprache und Flüchtlinge redet", twitterte Moderator Oliver Welke am Montagabend. Tatsächlich leidet der AfD-Politiker unter einer Sprachstörung. „Für die ,heute-show' war die Sprachbehinderung von Dieter Amann nicht erkennbar - es war nicht unsere Absicht, uns über diese Behinderung lustig zu machen“, twitterte die „heute-show“ unter der Überschrift „Hätte nicht passieren dürfen.“

Danach stellte Welke klar: „Hätte irgendjemand aus unserer Runde gewusst, dass Herr Amann unter einer Sprachstörung leidet, wäre dieser Clip niemals in der ,heute-show' gelaufen.“ Sollte Amann sich durch den gezeigten Ausschnitt und die Moderation verletzt fühlen, so Welke, „tut mir persönlich das sehr leid“.

Dieter Amann hatte in einer Ausschusssitzung des Bundestags für die AfD gesprochen. Zu Beginn seines Auftritts hatte er darauf hingewiesen, dass er stottere. In dem von der "heute-show" gezeigten Beitrag fehlte dieser Hinweis. Dafür wurde gezeigt, wie sich Amann stotternd zum Thema Familiennachzug von Flüchtlingen äußerte. Welke machte dieses Stottern in seiner Moderation nach dem Beitrag spöttisch nach.

Ein ZDF-Sprecher erklärte am Dienstag, der Clip werde Thema der „heute-show“ am 16. Februar sein. Die Sendung war am Dienstag noch in der ZDF-Mediathek abrufbar. Ob der kritisierte Teil herausgeschnitten wird, konnte ein Sprecher zunächst nicht beantworten.

Die Alternative für Deutschland hat das ZDF wegen der Sendung am Freitagabend scharf kritisiert und eine klare Distanzierung des Senders gefordert. Amann leide seit frühester Kindheit unter einer sprachlichen Behinderung, betonte die Partei. Zu Beginn der Anhörung zum Familiennachzug für nachrangig Schutzberechtigte im Hauptausschuss des Bundestages habe der Sachverständige „sogar noch ausdrücklich darauf hingewiesen“.

"Schäbige Anti-AfD-Hetzpropaganda"

Die AfD warf Moderator Oliver Welke vor, sich „in menschenverachtender Weise“ über Amann „ausgelassen“ zu haben. Welke betonte, seine Redaktion habe den Ausschnitt vom ARD-„Mittagsmagazin“ übernommen. Die einleitenden Worte von Amann hätten der „heute-show“ nicht vorgelegen.

Die AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg schäumte mächtig. In einer Pressemitteilung hieß es: "Die schäbige Anti-AfD-Hetzpropaganda auf Kosten von Behinderten, die zweifelsfrei alle Kriterien ,faschistoider Hatespeech' erfüllt, zeige mehr als erschreckend auf, wes Geistes Kind der vermeintliche Gutmensch Oliver Welke in Wirklichkeit ist."

Der Behindertenpolitische Sprecher Thomas Axel Palka sagte: "Gelebtem Faschismus à la Oliver Welke darf öffentlich-rechtlicher Rundfunk kein Podium bieten. Wehret den Anfängen!" Das ZDF biete mit seiner "heute-show" einen weiteren gewichtigen Grund, nicht nur die für dieses Jahr geplante Erhöhung der GEZ-Gebühr abzulehnen, sondern einmal mehr das gesamte System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Frage zu stellen.

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