"Immer Ärger mit Opa Charly" : Schauspieler Ulrich Pleitgen ist tot

Er war vielseitig, in der Abwechslung suchte er die Herausforderung: Der Schauspieler Ulrich Pleitgen ist mit 71 Jahren gestorben.

Der Schauspieler Ulrich Pleitgen ist am Mittwoch im Alter von 71 Jahren in Hamburg gestorben.
Der Schauspieler Ulrich Pleitgen ist am Mittwoch im Alter von 71 Jahren in Hamburg gestorben.Foto: dpa

Ulrich Pleitgen war sich seines Könnens und seines Wertes bewusst. Also hat sich der Schauspieler von der ARD-Serie "Familie Dr. Kleist" 2011 verabschiedet. Pleitgen spielte darin den Onkel Johannes. ""Vier Staffeln mit je 13 Folgen sind einfach genug, um nicht vollends auf den Typ Johannes festgelegt zu werden.“ So hat er es wieder und wieder gehalten: in einer Serie mitzuwirken und dann nach neuen Herausforderungen zu suchen.

Der gebürtige Hannoveraner spielte 1990 in der Simmel-Verfilmung "Mit den Clowns kamen die Tränen", er war der Kommissar Matthias Sander in "K3 - Kripo Hamburg" und Kapitän zur See in der Serie "Nicht von schlechten Eltern" und 2016 als Großvater und Ökoaktivist in „Immer Ärger mit Opa Charly“ im Ersten zu sehen. Damals hatte er erklärt, dass er in der Rolle durchaus eine Parallele zu sich selbst sehe: „Auch ich habe keine Lust, im Kopf alt zu werden und bin aktiv.“

Pleitgen begriff seine Rollen als Lebensabschnittsrollen, aber jede Rolle als ernstzunehmende Aufgabe. Neben seiner Bühnenkarriere, die Pleitgen am Hamburger Thalia Theater beendete (1985 bis 1989), drehte der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Schauspieler immer wieder fürs Kino und Fernsehen. Auf der Leinwand war er beispielsweise in dem Film „Stammheim“ nach einem Drehbuch von Stefan Aust zu sehen, der 1986 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin den Goldenen Bären bekam. Pleitgen spielte in dem Film über die RAF-Terroristen den Richter Theodor Prinzing. Die Rolle brachte ihm viel Lob der Kritiker ein und trug zu seiner weiteren Bekanntheit bei. Pleitgen, dessen Gesicht sich mehr und mehr in eine Gesichtslandschaft verwandelte, versah seine Figuren mit Ernsthaftigkeit. Das konnte großen Ernst bedeuten, aber auch großen Optimismus. Ulrich Pleitgen war ein Menschendarsteller.

Seine Rollen lernte Pleitgen nach eigenen Angaben am liebsten an der frischen Luft und hier bevorzugt an der Außenalster in Hamburg. Hier saß er zur Freude mancher Fans und Touristen mit seinen Drehbüchern oft auf einer Bank oder wanderte am Ufer entlang. „Mein Büro ist die Alster. Ich bin ein Allwettermann. Mir ist es egal, ob es stürmt, regnet, schneit oder die Sonne brennt. Ich kann meine Rollen am besten gehend unter freiem Himmel lernen“, erzählte er in einem Beitrag auf seiner Webseite, die er zusammen mit seiner Ehefrau Ann-Monika pflegte.
Auch viele derjenigen, die ihn nie auf der Bühne oder in Film und Fernsehen gesehen hatten, kannten ihn doch: Der Schauspieler arbeitete dank seiner prägenden, einprägsamen Stimme auch als Sprecher für Hörbücher und Hörspiele. Für das Hörbuch „Die Nadel“ von Ken Follett erhielt Pleitgen 2016 die Goldene Schallplatte.

Am Mittwoch ist Ulrich Pleitgen, wie erst jetzt bekannt geworden ist, mit 71 Jahren an Herzversagen in Hamburg gestorben.

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