Kai Schumann ist die Idealbesetzung für den gefallenen Politstar.

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Kai Schumann als "Der Minister" : Guttenberg-Satire: Furios im Abgang

Kai Schumann ist die Idealbesetzung für den gefallenen Politstar, und dies nicht nur wegen äußerlicher Ähnlichkeiten zu Karl-Theodor zu Guttenberg oder seiner Fähigkeit, den Senkrechtstarter auch noch im Scheitern sympathisch darzustellen. Vielmehr erfüllt Schumann die Hauptforderung von Drehbuchautorin Dorothee Schön an die Figur: So wie Guttenberg „die perfekte Projektionsfläche für die Sehnsüchte des Wahlvolks“ war, hält Schumann dem Publikum den Guttenberg-Spiegel vor.

Für ihr Drehbuch zu „Frau Böhm sagt Nein“ hat Dorothee Schön 2010 einen Grimme-Preis erhalten. In ihren genial-bissigen Dialogen für „Der Minister“ steckt immer ein wahrer Kern. „Der Film ist allein darum sehr nah an der Realität, weil er auf einer sehr hohen Zitatebene agiert. Das geht bis zu Seehofers Keller-Modelleisenbahn“, sagt Kai Schumann. „In dem Film hätte ich jede Rolle spielen wollen, nur um dabei zu sein.“

Der Minister im Größenwahn

Regisseur Uwe Janson hat der perfekten Kombination aus Buch und Besetzung die Bühne bereitet. Jeder Name wird zum Statement, jede Szene enthält eine Anspielung auf die Berliner Republik. Vor allem aber hat Janson das richtige Tempogefühl. Wie bei Thomas Manns Hochstapler Felix Krull ist es eine reine Freude, Franz Ferdinand zu Donnersberg anfangs beim politischen Aufstieg zuzusehen. Doch Janson überzieht nicht. Während der Minister dem Größenwahn entgegentaumelt, setzt bei Max beim Wechsel ins Verteidigungsressort das Gegensteuern ein. „Das ist kein Spiel, hier geht es um Menschenleben“, sagt der Freund und verhilft der TV-Satire zu einem gewissen Happy End.

Persönlich kann Kai Schumann wenig mit zu Guttenberg anfangen. „Aus meiner Biografie und meinem Charakter heraus hätte ich kein großes Interesse, mich mit ihm zu unterhalten. Ich würde mich lieber mal mit Alexander Kluge treffen. Ströbele und Fischer würden mich interessieren, oder Gysi“, sagte er dem Tagesspiegel.

„Der Minister“, Sat 1, 20 Uhr 15. Im Anschluss die Dokumentation: „Abgeschrieben – die Guttenberg-Story“, 22 Uhr 20

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