Medien : Klaust du noch?

Oder kaufst du schon? Neben Raubkopierern setzen nun auch die Filmstudios auf Internet-Tauschbörsen

Kurt Sagatz

Der „Da Vinci Code“ war einer der erfolgreichsten Kinofilme des vergangenen Jahres. Die Verfilmung des Dan-Brown-Romans zog allein in Deutschland über fünf Millionen Menschen in die Kinos. Der Erfolg setzte sich im Internet fort: Allein in den 30 Tagen nach dem Start wurde der Film über zwei Millionen Mal heruntergeladen – als illegale Raubkopie, die vor allem über die so genannten Bittorrent-Netzwerke ihren Weg zu den digitalen Schwarzsehern fand.

„Nicht die Technik ist das Problem, sondern deren Missbrauch“, sagt Jan Oesterlin, Chef der Zukunft-Kino-Marketing GmbH, die durch ihre Kinospots aus der Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“ bekannt geworden ist. „Legale Angebote können dazu beitragen, die illegale Nutzung zu verringern“, hofft er. Wiederum ist es Bittorrent, das Anlass für diese Hoffnung gibt. Die Erfinder dieses technischen Standards haben einen Online-Shop eröffnet, um Filme verbreiten zu können – doch dieses Mal völlig legal und mit Billigung der Film-Rechteinhaber.

Bittorrent ist besonders gut geeignet für die schnelle Verteilung großer Dateien, für die eine aktuell große Nachfrage vorhanden ist. Bislang erfreute sich die Technik überwiegend jenseits der Legalität großer Beliebtheit. Das soll sich nun ändern, denn seit Anfang der Woche bietet Bittorrent.com zusammen mit Warner Bros, Paramount Picture, 20th Century Fox und Metro-Goldwyn-Mayer mehrere tausend Filme, Serien und Computerspiele zum kostenpflichtigen Download an – über die gleiche Technik, mit der parallel weiter raubkopiert wird.

„Die große Mehrheit unseres Publikums liebt einfache digitale Inhalte“, sagt Bittorrent-Mitgründer Ashwin Navin: „Jetzt müssen wir für dieses Publikum ein Programm schaffen, sodass es zu diesem Dienst wechselt, mit dem die Filmstudios Geld verdienen.“ In den Genuss kommen derzeit allerdings nur amerikanische Internet-Nutzer, die sich Filme für drei, vier Dollar ausleihen können. TV-Serien werden gekauft und kosten gut zwei Dollar.

Das Publikum besteht vor allem aus Männern im Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Mit Bittorrent wird die Verteilung von Filmen und anderen digitalen Gütern auf viele Schultern verteilt. Bei herkömmlichen Online-Videotheken lädt der Kunde den Film komplett vom Server des Anbieters. Das kostet Zeit, und die Videothek muss die nötigen Ressourcen vorhalten. Bei den Peer-to-Peer-Netzwerken (von gleich zu gleich) ist der Empfänger auch Sender. Die Inhalte, die er auf seinen Rechner lädt, werden anderen Interessenten sofort zur Verfügung gestellt. Ist der Film einmal im Netz, wird kein zentraler Server mehr benötigt. Das erschwert zwar die Strafverfolgung, aber bei der illegalen Nutzung wie bei der legalen Verbreitung spart es dem Anbieter Kosten, und der Film ist schneller beim Abnehmer.

So sensationell ist der Bittorrent-Rollentausch vom Saulus zum Paulus übrigens nicht. Dass Peer-to-Peer-Technik an sich keineswegs kriminell ist, betont der deutsche Internet-Filmverkäufer in2movies schon lange. Das Gemeinschaftsunternehmen von Warner Bros und Arvato mobile, einer Bertelsmann-Tochter, nutzt einen mit Bittorrent vergleichbaren Standard namens Gnab. „Unsere Kunden haben zwar die Möglichkeit, ihren Rechner nicht für Uploads bereitzustellen und somit nicht zum Sender zu werden. Doch davon machen nur die wenigsten Gebrauch“, sagt Kathrin Brunner, Geschäftsführerin von in2movies. Denn in diesem Fall gibt es auch keine „MoviePoints“. Die bekommen Kunden, die bei der Verteilung der Filme übers Internet mithelfen. Wer genügend Punkte hat, erhält einen Film gratis. Für in2movies hat die neue Verbreitungstechnik noch einen anderen Vorteil. Das System wächst mit seinen Nutzern. Je mehr Kunden es gibt, desto mehr Rechner helfen bei der Verbreitung der Inhalte. Bei AOL und Yahoo hat man das wohl ebenso gesehen und ist eine Kooperation mit in2movies eingegangen.

Eine Prognose, welchen Einfluss die neuen, legalen Angebote auf die illegale Tauschbörsennutzung haben, möchte aber auch Filmexperte Jan Oesterlin nicht abgeben. Nur so viel: „Das Signal ist wichtig“, sagt er. „Denn die legalen Angebote zeigen, dass alle anderen Angebote illegal sein müssen.“

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