Make me great again : Trumps täglicher Kampf gegen die Medien

Fake News und kein Ende: Donald Trumps Feldzug gegen die Medien ist Grundbestandteil seiner Präsidentschaft.

„Fake News“! Mit einem wütenden Tweet hat Donald Trump auf einen Bericht der „New York Times“ über seinen exzessiven TV-Konsum reagiert.
„Fake News“! Mit einem wütenden Tweet hat Donald Trump auf einen Bericht der „New York Times“ über seinen exzessiven TV-Konsum...Foto: Reuters

Donald Trump fühlt sich mal wieder als Opfer. Nachdem mehrere große US-Medien kritische Berichte über die Verbindungen zwischen Trumps Beraterstab und Russland korrigieren mussten, ist der Präsident auf dem Kriegspfad. Er fordert die Entlassung von Reportern und sieht sich in seiner Ansicht bestätigt, dass die Medien eine Hexenjagd auf seine Regierung veranstalten, ohne auf den Wahrheitsgehalt zu achten. Dass Donald Trump es selbst mit der Wahrheit nicht immer sehr genau nimmt, tut für ihn nichts zur Sache: Der Präsident sieht den Feldzug gegen die Medien als notwendigen Bestandteil einer ständigen Verteidigungshaltung.

Auf den ersten Blick wirkt es merkwürdig, dass ein Mann, der jeden Tag mit Problemen im eigenen Land und Krisen überall auf der Welt befasst ist, die Zeit für so viel Medienschelte findet. Wie die „New York Times“ meldete, schaut der 45. Präsident der Vereinigten Staaten täglich bis zu acht Stunden die Sendungen der Nachrichtenkanäle an und lässt aufzeichnen, was er verpasst. Zeitweise verbringt der Staatschef dem Zeitungsbericht zufolge schon nach dem Aufstehen so viele Stunden vor dem Bildschirm, dass seine Mitarbeiter im Weißen Haus ihre liebe Mühe haben, ihn gegen neun Uhr morgens im Oval Office zu haben.

Trump sucht die Bestätigung

Trump surft nicht durch die Fernsehprogramme, um sich zu informieren. Ihm geht es um die Bestätigung seiner Überzeugung, wonach viele Medien seiner Regierung gegenüber voreingenommen sind. Regelmäßig beschwert er sich auf Twitter über „Fake News“, wenn er mit einer Meldung nicht einverstanden ist.

In den vergangenen Tagen wurde er gleich mehrmals fündig. Der Nachrichtensender CNN – Trumps Lieblingsfeind unter den Politik-Kanälen – verbreitete eine Falschmeldung, derzufolge Trump und sein Sohn Donald Jr. am 4. September 2016 vorab über Wikileaks-Dokumente informiert worden seien, die Hacker bei den gegnerischen Demokraten abgefangen hatten. Tatsächlich wurden die Trumps erst am 14. September informiert, als die Dokumente schon veröffentlicht waren. Nachdem andere Medien auf die Ungereimtheiten hingewiesen hatten, zog CNN die Meldung zurück.

Auch dem Sender ABC, der wie CNN bei Trump in Ungnade gefallen ist, unterlief ein Fehler. Ein Bericht, wonach Trump seinen damaligen Berater Michael Flynn schon während des Wahlkampfes mit der Kontaktaufnahme mit Russland beauftragte, stellte sich als falsch heraus: Flynn erhielt die Order erst nach der Wahl, also zu einem Zeitpunkt, an dem es völlig in Ordnung ist, wenn eine designierte neue Regierung ihre Fühler ausstreckt.

ABC stellte die Meldung richtig und suspendierte den verantwortlichen Reporter Brian Ross, doch Trump reicht das nicht. Er forderte die Amerikaner öffentlich zu Schadenersatzklagen gegen den Sender auf, weil die Falschmeldung die US-Aktien vorübergehend auf Talfahrt schickte. Gleichzeitig verlangte er die Entlassung eines Journalisten der „Washington Post“, der auf Twitter fälschlicherweise behauptet hatte, eine Kundgebung des Präsidenten sei nicht gut besucht gewesen.

Trumps Zorn wirkt scheinheilig: Nach einer Zählung der „Post“ hat der Präsident in seinen ersten 300 Tagen im Amt insgesamt mehr als 1600 falsche Behauptungen aufgestellt – und sich anders als die von ihm kritisierten Medien nicht entschuldigt.

Ständiger Kampf gegen kritische Medien

Doch um solche Fragen von Wahrheit und Lüge geht es ihm nicht. Für Trump besteht das Wesen seiner Präsidentschaft zu einem großen Teil in einem ständigen Kampf gegen unlautere Vorwürfe, mit denen seine Präsidentschaft in Frage gestellt wird. Kritik an CNN, ABC, „Washington Post“ und „New York Times“ ist für Trumps Regierung also keineswegs ein Nebenkriegsschauplatz. Dieser Konflikt wird nicht nur auf Twitter vom Chef persönlich ausgetragen, sondern auch von Präsidialamts-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders. Sie warf während ihrer regulären Pressekonferenz im Weißen Haus am Montag den versammelten Journalisten vor, bei den Falschmeldungen der vergangenen Tage lägen keine versehentlich begangenen Fehler vor, sondern das Ziel, die Amerikaner absichtlich falsch zu informieren, „was regelmäßig geschieht“.

Sanders’ Vorwürfe zeigen, wie festgefügt das Weltbild der Administration ist. Sogar seriöse Informationen wie die Meldung der „New York Times“ über Trumps TV-Nutzung, die sich auf Interviews mit 60 Beratern, Freunden und Politiker-Kollegen des Präsidenten stützte, werden kurzerhand zur Feind-Propaganda erklärt: „Fake News“, twitterte Trump.

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