"Maybrit Illner" : GroKo-Talk mit Luft nach oben

Vom GroKo-Hickhack verwirrte Wahlbürger sind auch nach der Diskussion bei "Maybrit Illner" nicht viel schlauer. Immerhin hat sich wieder eine Kandidatin für die Merkel-Nachfolge aufgedrängt.

Die Runde bei Maybrit Illner.
Die Runde bei Maybrit Illner.Screenshot: Tsp

Geht die SPD nun in die GroKo oder nicht? Am Sonntagabend werden wir’s wissen; aber was wir bislang nicht wussten, weil es im medialen Trommelfeuer nicht recht vorkam und –kommt, sind die tieferen Konflikte hinter der oberflächlichen Frage, ob Martin Schulz nun seinen Schwur vom Wahlabend verraten  hat oder aber staatsmännisch klug handelt. Just bei "Maybrit Illner" konnte man gestern Abend einiges hinzulernen.

Und das verdankt der Zuschauer des ZDF dem jungen Mann, Kevin Kühnert, der als Juso-Vorsitzender das Fähnlein der Aufrechten anführt, die sich dem Funktionärsgedröhn von Nahles bis Müntefering entgegenstemmen und für ein Fernbleiben vom Katzentisch bei Kanzlerin Merkel werben.

Kühnert war es, der auf die sozial- und rentenpolitischen Defizite der GroKo-Sondierung hinwies, ach was heißt: Defizite – auf das völlige Versagen. Darin unterstützt vom freischwebenden, freilich linksgestrickten Journalisten Albrecht von Lucke und auf subversive Weise vom „Handelsblatt“-Herausgeber und früheren „Spiegel“-Büroleiter Gabor Steingart.

Nicht dass Steingart, seinem jetzigen Job gemäß, viel für Soziales übrig hätte – nur ist er klarsichtig genug, die Probleme, für die jetzt noch Jüngeren zu sehen, die ihnen die hilflos-aktionistische Politik einer künftigen wie aller vergangenen GroKos auftürmt. Dass also über das Jahr 2025 hinaus die Rente nicht nur nicht sicher ist, sondern geradewegs in Richtung Grundsicherung abschmieren wird, dass es für die „Lebensleistung“ von 45 Beitragsjahren für Geringverdiener gerade einmal zehn Prozent Aufschlag auf das Sozialhilfeminimum geben soll – freilich erst nach bürokratischer, sich alle Monate wiederholender „Bedarfsprüfung“ -, das konnte man gestern in aller Deutlichkeit erfahren.

Schlimmer noch: Diesen Befunden konnten die GroKo-Befürworter Stephan Weil, SPD-Wahlsieger von Niedersachsen, und Julia Klöckner, die immer offenkundiger und wohl mit Segen von Angela Merkel als CDU-Kanzlerkandidatin der Zukunft aufgebaut wird, auch nicht im Ansatz widersprechen. Weil verwies lieber auf den – wahrlich beschämenden - „Pflegenotstand“, als ob eine klaffende Lücke mit einer anderen geschlossen werden könnte.

Das wurde beifällig abgenickt

Er tat es freilich, um im gleichen Atemzug das Thema „Bürgerversicherung“, an dem sich die SPD-Spitze festkrallt, abzuräumen, ganz der geschmeidige Taktierer, der den Kompromiss-Weg zur GroKo ebnet. Erfahren konnte man aber auch – aus dem berufenen Munde der Expertin Dorothea Mohn von der Verbraucherzentrale -, was die Steuer- und Abgabenpolitik der GroKo im Portemonnaie der allermeisten Bürger zurücklassen würde: nicht viel ist das, aber immerhin einmal etwas. Das wurde beifällig abgenickt.

 Moderatorin Maybrit Illner musste an diesem Abend nicht mehr tun, als Stichworte zu geben und nur gelegentlich auf die Einhaltung der Rednerliste zu achten. Denn bei aller Polemik hatte man als Zuschauer den Eindruck, dass die Talk-Gäste allesamt Spaß an einer mit Argumenten geführten Kontroverse hatten, Spaß daran, verbale Klingen zu kreuzen.

Was allerdings die Sein-oder-Nichtsein-Frage GroKo für das Innenleben der SPD und die Karriereaussichten ihrer Obleute bedeutet, das dürfte den gemeinen Wähler sehr viel weniger interessieren als die dann doch in der Politik-Blase feststeckenden Diskutanten. Und ganz besonders fiel Julia Klöckner mit ihrer zwanghaften „Die Kanzlerin“-Lobhudelei ab.

Wahrscheinlich sitzen in der CDU-Zentrale irgendwelche Trolle, die die Anzahl der Merkel-Preisungen festhalten, um daran die Eignung der – in ihrem Stammland Rheinland-Pfalz ziemlich untergegangen – Kandidatin für Höheres zu messen. Aber auch das ist ja eine Hintergrunderkenntnis, die der vom GroKo-Hickhack verwirrte Wahlbürger gerne mitnimmt.

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