• Nach Dirk Bach Verunglimpfung: Spuren zu pseudo-christlicher Hetzseite verdichten sich

Die stille Zustimmung einiger Kirchen-Vertreter

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Nach Dirk Bach Verunglimpfung : Spuren zu pseudo-christlicher Hetzseite verdichten sich

Anzeigen haben die Staatsanwaltschaften bereits zuhauf vorliegen. Aktuell laufen Ermittlungen der Behörden in Frankfurt am Main, Köln und Berlin. Auch auf Antrag der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die sich in diesen Tagen erneut von der vorgeblich kirchlichen Nachrichtenseite distanziert hat: „Hier wird der Begriff ,katholisch’ auf das Gröbste missbraucht. Kreuz.net ist ein gefährliches antisemitisches, volksverhetzendes und menschenverachtendes Portal, das keine Existenzberechtigung hat“, sagte DBK-Sprecher Matthias Kopp. Er forderte die Betreiber auf, aus „der Feigheit der Anonymität“ zu treten. Bemerkenswert ist, dass sich kreuz.net auch Informationen aus Arbeitspapieren der Deutschen Bischofskonferenz beschaffen konnte. Das Hetz-Portal stellte im Juli 2011 ein internes Schreiben der DBK zum Umgang mit Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich online, das Grundlage einer Arbeitshilfe war, die erst 2012 veröffentlicht werden sollte. Die Vermutung, dass hier Insider Informationen weitergegeben haben, liegt nahe. Auch sonst brüstet sich die sonst anonym gehaltene Seite mit Texten bekannter Autoren der Kirche, die vielfach der Verwendung ihrer Essays auf der Website zumindest nicht öffentlich widersprochen haben. Darunter beispielsweise auch der Schweizer Priester Reto Ney, der mit den Vorwürfen konfrontiert auf seinem eigenen Internetportal gloria.tv Stellung bezieht: „Die Webseite hat einige Artikel von mir nachpubliziert. Das freut mich.“

Reaktionen auf den Tod von Dirk Bach
Ein Blödel-Team par excellence. Dirk Bach mit komikerin Hella von Sinnen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: dpa
02.10.2012 09:20Ein Blödel-Team par excellence. Dirk Bach mit komikerin Hella von Sinnen.

Es ist genau diese stille Zustimmung einiger Vertreter der Kirche, die David Berger so wütend macht. Er ist aber zuversichtlich, dass es in den nächsten Wochen einen Ermittlungserfolg geben könnte. Einige Spuren führen nach Österreich, wo der dortige Verfassungsschutz die Seite schon länger im Blick hat. „Der Server der Seite liegt in den USA, dort haben wir selbst keine Ausforschungsmöglichkeiten“, sagte der Sprecher des österreichischen Bundesinnenministeriums, Karl-Heinz Grundböck. Gleiches gilt für den deutschen Verfassungsschutz und das Bundeskriminalamt. Deshalb kann die Internetseite wie viele weitere volksverhetzende Portale nicht einfach abgeschaltet werden. Einzige Möglichkeit sei, ein Amtshilfeverfahren in den USA zu beantragen, sagte Grundböck. Doch dort werde die Meinungsfreiheit viel großzügiger ausgelegt als in Deutschland, so dass die menschenverachtenden Äußerungen über Dirk Bach in den USA gar nicht strafrechtlich relevant seien. Die US-Behörden dürften deswegen nicht tätig werden.

In Deutschland sind die Äußerungen durchaus strafbar. Wären die Betreiber bekannt, könnte die Staatsanwaltschaft Anklage erheben. Neben Hilfe aus dem Internet hat sich das Bündnis „Stoppt Kreuz.net“ auch ans Fernsehen gewandt. Ein ARD-Team unterstützt die Recherchen. Geht es nach Berger, sollten die Macher von kreuz.net ein letztes Mal einen Platz auf der großen Bühne bekommen. Bei ihrer Verhaftung durch die Staatsanwaltschaft, begleitet von Kameras.

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