Neue Serien auf Youtube : Die Deutschmacher

Bewegung auf dem Streamingmarkt: Jetzt legt auch Youtube Eigenproduktionen vor. Ist das eine ernsthafte Konkurrenz für Netflix und Amazon?

YouTuber LeFloid reist in seiner Doku-Serie "Le Floid vs. The World" um die Welt.
YouTuber LeFloid reist in seiner Doku-Serie "Le Floid vs. The World" um die Welt.Foto: Studio71/YouTube Originals

Voller „beeindruckender Momente“ war der Seriendreh für YouTube-Star LeFloid. Während der Aufnahmen für „LeFloid vs. The World“ sei eine Gletscherkante vor laufender Kamera weggebrochen, erzählt er bei der Vorstellung der Doku-Serie in Berlin. In der Szene ging es um den Klimawandel – und plötzlich „stirbt ein Eisberg“. Knapp acht Monate lang reiste LeFloid, der mit bürgerlichem Namen Florian Diedrich heißt, um die Welt, um zu fragen, was Geld, Klimawandel und Schönheitsideale mit der Gesellschaft machen, er trifft Politiker und Prominente wie Regisseur Roland Emmerich und Model Toni Garrn.

Die Serien „LeFloid vs. The World“, „Neuland“ und „Bullsprit“ sind die ersten deutschen YouTube Originals, die unter der Dachmarke YouTube Premium erscheinen und am Mittwoch starteten. Über 70 Eigenproduktionen bietet YouTube Premium an, seit drei Monaten auch in Deutschland. Das Abo kostet zwölf Euro monatlich. Enthalten sind auch YouTube Music sowie die Möglichkeit, Videos im Hintergrund abspielen und herunterladen zu können.

Neue Konkurrenz für die Streaming-Platzhirschen Netflix und Amazon, beides auch kostenpflichtige Dienste? „Unser Kerngeschäft ist und bleibt werbefinanzierter Content“, sagt YouTube-Sprecher Henning Dorstewitz. Laut jüngsten Zahlen aus dem Digitalisierungsbericht der Medienanstalten ist YouTube hierzulande der meistgenutzte Streamingdienst. Weltweit hat die Google-Tochter monatlich 1,9 Milliarden eingeloggte Nutzer, Netflix 130 Millionen Mitglieder in über 190 Ländern. Die Daten lassen keinen direkten Vergleich zu.

Ein Großteil der YouTube-Nutzer wolle nicht für Videos bezahlen und könne mit Werbeeinblendungen leben, so Dorstewitz. Das sei der Unterschied zu Netflix und Amazon, die mit Bezahlinhalten ihr Geld verdienen. „Wir geben uns keiner Illusion hin, dass die zahlende Gruppe die andere irgendwann überholt.Bei uns gibt es weniger eigene Produktionen, aber bei denen geben wir uns sehr große Mühe.“

Phil Laude in seiner neuen Serie "Neuland".
Phil Laude in seiner neuen Serie "Neuland".Foto: Brainpool/YouTube Originals

Andrea Sawatzki mimt die Bösewichtin

YouTubes Chief Business Officer Robert Kyncl betonte, man werde nie so viel Geld für eigene Inhalte ausgeben wie eben Amazon Video und Netflix. Die YouTube Originals seien eher ein Zusatzangebot, das die Bekanntheit der Marke steigern und mehr Premium-Kunden anlocken soll.

Fakt ist, der Video-on-Demand-Markt (VoD) bewegt sich: Netflix und Amazon stecken hunderte Millionen Dollar in eigene Produktionen. Marktforscher von Goldmedia haben für 2017 in Deutschland VoD-Umsätze von brutto 1,1 Milliarden Euro ausgemacht.

Zahlen zu Budgets und Abonnenten-Größe nennt YouTube nicht. Doch prominente Besetzungen und große Produktionsfirmen wie Brainpool und Pantaleon Films bei diesen neuen Serienproduktionen zeigen an, wohin es hierzulande gehen könnte. In der Comedyserie „Neuland“ spielt Phil Laude, der mit dem YouTube-Trio Y-Titty bekannt wurde, sich selbst als Moderator der Show „Neuland“, die sich als Sendung in der Sendung abspielt. Hinter den Kulissen hadert Laude mit seinem Konkurrenten David Hasselhoff.

Andrea Sawatzki spielt in "Bullsprit" mit.
Andrea Sawatzki spielt in "Bullsprit" mit.Screenshot: Tsp

In „Bullsprit“, ebenfalls Comedy, eröffnen drei Freunde eine geerbte alte Tankstelle. Unbeholfen lassen sie sich auf das Abenteuer ein, die Tanke wieder auf Vordermann zu bringen. Die Hauptrollen spielen die YouTuber Chris Manazidis, Philipp und Sebastian Meichsner, die mit ihrem Kanal „Bullshit TV“ bekannt wurden. Den Erzähler macht Oliver Korittke, Andrea Sawatzki mimt die Bösewichtin, die die Tanke aufkaufen will, Lore Richter unterstützt die Jungs als cooler Bikerin Vanessa mit Fachwissen.

Meistgesehen in Deutschland: „Cobra Kai“

Die deutschen Originals tragen eine typische YouTube-DNA: Im Zentrum stehen bekannte YouTuber, Netzthemen spielen eine wesentliche Rolle. In „Bullsprit“ wird parodistisch gestreamt, gehashtagt und geteilt, LeFloid hingegen spricht über den Einfluss von Selfies auf Schönheitsideale. Die Serien reihen sich ein in das Originals-Portfolio, zu dem unter anderem die Dokumentation „This Is Everything“ mit der YouTuberin Gigi Gorgeous gehört, die ihre Transition vom Mann zur Frau filmt, sowie die „Karate Kid“-Fortsetzung „Cobra Kai“ mit William Zabka und Ralph Macchio.

YouTubes lokale Eigenproduktionen zielen auch auf internationalen Erfolg ab. Bei den drei deutschen Serien sei dieser bei LeFloid am wahrscheinlichsten, sagt Henning Dorstewitz. Die Serie wurde auf Englisch gedreht, auch weil es authentischer wirke, wenn LeFloid auf der ganzen Welt Menschen interviewt. „Wir haben im Blick, was Premium-Nutzer in einem Land besonders gerne schauen“, so Dorstewitz.

Meistgesehen seien in Deutschland „Cobra Kai“, die Comedy-Serie „Liza On Demand“ mit Liza Koshy und die Musik-Doku „Burn The Stage“ über eine südkoreanische Boyband. Laut YouTubes Top-Manager Robert Kyncl zielen die drei deutschen Exklusiv-Produktion vor allem auf YouTubes Kernpublikum ab, mit bekannten YouTubern im Vordergrund. Lokale Talente sollen gefördert werden.

Abzuwarten bleibt, wie der VoD-Markt auf diese Expansion von YouTube Originals reagiert. Mit Serien wie „Dark“, „Dogs Of Berlin“ und „You Are Wanted“ haben Netflix und Amazon auch im lokalen Serienbereich erfolgreich vorgelegt.

„Neuland“, „Bullsprit“ und „LeFloid vs. The World“ auf YouTube Premium

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