Nicolette Krebitz im TV-Film : Romantische Verschwörung

Beginnt wie ein Freitagsfilm, wird dann aber unerwartet dramatisch: „Trauung mit Hindernissen“ ist vor allem wegen der Darsteller sehenswert, allen voran Nicolette Krebitz

Tilmann P. Gangloff
Auf der Flucht vor neuer Festlegung: Katrin (Nicolette Krebitz) und Horst (Peter Prager).
Auf der Flucht vor neuer Festlegung: Katrin (Nicolette Krebitz) und Horst (Peter Prager).Foto: MDR/ORF/Ariane Krampe Filmproduk

Der Titel klingt nach Freitagsfilm, die Handlung auch: „Trauung mit Hindernissen“ ist eine Komödie mit Nicolette Krebitz als Katrin, geschiedene Lehrerin und Mutter zweier Kinder, die im Kollegen Philipp (Hary Prinz) eine neue Liebe gefunden hat. Als er sie mit einem liebevoll inszenierten gesungenen Heiratsantrag überrascht, bei dem das gesamte Kollegium als Tanzensemble mitwirkt, reißt sie ihn unsanft aus allen Träumen: Nach der Enttäuschung ihrer ersten Ehe will sie sich auf keine zweite einlassen. Prompt hat der abgelehnte Antrag eine tiefe Beziehungskrise zur Folge, und weil in Filmen dieser Art stets eins zum anderen kommt, findet Philipp Trost bei der attraktiven Kollegin Melanie (Laura Preiss), während Katrin in den Armen eines forschen Weltenbummlers (Michael Steinocher) landet.

Dass das „Erste“ die Komödie nicht freitags zeigt, wo sie eigentlich hingehört, hat einen ganz einfachen Grund: „Trauung mit Hindernissen“ ist nicht in der Verantwortung der ARD-Tochter Degeto entstanden, sondern eine Koproduktion zwischen MDR und ORF. Ansonsten gibt es jedoch keinerlei Unterschiede, selbst wenn die Stimmung zu Beginn des letzten Akts komplett kippt: Ein tragisches Ereignis sorgt dafür, dass das verhinderte Ehepaar wieder zueinander findet.

Bis dahin erzählt Autorin Sophia Krapot, deren Geschichten gern einen mindestens ernsten, bisweilen gar tragischen Kern haben (wie etwa „Die Hochzeit meiner Eltern“ mit Senta Berger und Günther Maria Halmer), eine typische Patchwork-Komödie mit den üblichen Zutaten: Katrins Ex hat mit seiner zweiten Frau, Julia (Lisa Bitter), zwei weitere Kinder, und sich vorübergehend abgesetzt, um seine Mitte zu finden. Julia ist überfordert und bittet um Asyl, das Philipp ihr großzügig gewährt.

Ein fataler Fehler, den sie bitter bereuen wird

Als Nächstes steht Katrins Mutter Renate (Patricia Hirschbichler) vor der Tür, weil sie durch widrige Umstände ihr Obdach verloren hat; dann schaut auch noch die dominante Ex-Schwiegermutter (Daniela Ziegler) vorbei. Als Philipp gemeinsam mit Renate eine romantische Verschwörung einfädelt, um Katrin mit einer Überraschungstrauung vor vollendete Tatsachen zu stellen, trifft schließlich auch noch Vater (Peter Prager) samt neuer Freundin ein. Aber Katrin bleibt nicht nur stur, sie begeht zudem einen fatalen Fehler, den sie bitter bereuen wird. Dass sie außerdem schwanger ist, vereinfacht die komplexe Gemengelage nicht gerade. 

Der Film ist die Fortsetzung von „Familie mit Hindernissen“ (2017). Damals ging es um die Konfirmation von Tochter Saskia (Emilie Neumeister). Der Tag lief allerdings derart aus dem Ruder, dass sich Katrin, dem Nervenzusammenbruch nahe, an den einzigen Ort zurücksehnte, an dem sie in den letzten 48 Stunden etwas Ruhe gefunden hatte: eine Gefängniszelle.

Die amüsante Komödie litt jedoch ganz erheblich unter dem blödsinnigen Einfall, dass Krebitz die Ereignisse ständig in Richtung Kamera kommentieren musste, was weder witzig noch notwendig war. Darüber hinaus hat es Regisseur Oliver Schmitz damals nicht geschafft, die kleinen und großen Katastrophen zu einem harmonischen Handlungsfluss zu verknüpfen, weshalb der Film recht episodisch wirkte.

Das ist bei der Fortsetzung deutlich besser gelungen. Fernsehfilmdebütantin Anna-Katharina Maier hat ihre ersten Regieerfahrungen bei der Vorabendserie „Hubert & Staller“ gesammelt. Ihre Umsetzung ist kurzweilig, ohne dabei auffällige Akzente zu setzen; der schwungvoll gestaltete Auftakt, als der Filmtitel gewissermaßen auf Katrins Autodach landet, bleibt die einzige optische Besonderheit.

Den völlig unerwarteten und entsprechend abrupten Wechsel des Vorzeichens gegen Ende verkraftet die Tragikomödie überraschend gut, auch wenn der Geschichte schließlich die Filmzeit ausgeht, weshalb der Schluss etwas plötzlich kommt. Sehenswert ist „Trauung mit Hindernissen“ wie schon der Vorgänger vor allem wegen der Schauspieler, zumal Nicolette Krebitz diesmal auf die Kommentare verzichten konnte.

"Trauung mit Hindernissen", Mittwoch, ARD, 20 Uhr 15

 

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