Privatsender im Wiederholungsrausch : Fernseh-Farce

RTL bringt acht Folgen "Cobra 11" am Stück, Sat 1 zeigt zehn Folgen "Criminal Minds" hintereinander. Ist das noch Fernsehen? Ein Kommentar

Daniel Roesner als Polizist Paul Renner (links) und Erdogan Atalay als Polizist Semir Gerkhan schießen in der RTL-Serie "Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei" wieder mal die Magazine leer.
Daniel Roesner als Polizist Paul Renner (links) und Erdogan Atalay als Polizist Semir Gerkhan schießen in der RTL-Serie "Alarm für...Foto: dpa

Es wird allerhöchste Zeit für ein großes Dankeschön – und zwar von ARD und ZDF an RTL und Sat1. Die private Senderkonkurrenz liefert gerade beste Argumente, warum der monatliche Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro dringend erhöht werden sollte. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen müht sich um Vielfalt und Abwechslung in seinen Programmen, während die kommerziellen Anbieter in diesen wesentlichen Wettbewerbskriterien die Anstrengung fahren lassen.

Dieser Donnerstag nur zum Beispiel: RTL zeigt von 20 Uhr 15 bis 4 Uhr 10 acht Folgen „Cobra 11“, unterbrochen nur von 30 Minuten „Nachtjournal“. Sat1 treibt es noch toller, von 20 Uhr 15 bis morgens um 4 Uhr 45 werden zehn Folgen „Criminal Minds“ ausgestrahlt. Bei RTL ist nur eine „Cobra“-Episode Neuware, auch bei Sat 1 gibt’s ein vergleichbares Wiederholungsfestival. Die privaten Sender bezeichnen sich trotzdem als „Vollprogramme“, es würde über den Sendetag hinweg kein Genre fehlen, um die Signatur zu rechtfertigen.

Wenig Aufwand, großer Ertrag

RTL & Co. benutzen ihr Publikum – oder betrügen sie es bereits? Es gilt erkennbar die Maxime, mit möglichst wenig finanziellem Aufwand möglichst viele Zuschauer zu ziehen, damit es in der Werbekasse nur so scheppert. Noch funktioniert das, der private Marktführer RTL hat zum Nettogewinn der RTL Group von 739 Millionen Euro den Hauptteil beigetragen.

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„Cobra 11“ ohne Ende, die x-te Staffel „Supertalent“, 10 000 Folgen „GSZS“ – Investition und Innovation sind den Privaten, die mal das öffentlich-rechtliche Fernsehen gecrasht haben, fremd geworden. Und jetzt, und nicht nur an diesem Donnerstag, wird das auch öffentlich ausgestellt, wird Primetime-Fernsehen zum Schmalspur-Programm. RTL & Co. haben sich nicht nur kreativ verzwergt; da ist keine neue Ware mehr, wenn sie gebraucht wird, erstens, zweitens wird Risiko im Programm zur Wiederholung, zum More-of-the-same-Sortiment runtergedimmt. Kann man natürlich so machen, die eigene Angebotsarmut als Fan-Fernsehen zu verbrämen. ARD und ZDF lächeln, Netflix jubelt.

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