Schramm, Polt, Butzko, Barwasser, alle helfen ehrenamtlich.

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Satire-TV im Internet : Dieter Hildebrandt kommt, um zu stören

Dieter Hildebrandt sieht sich nicht als Frontmann des „Störsenders“. Ihm ist bewusst, dass seine Kontakte und sein bekanntes Gesicht für das Projekt hilfreich sind. „Aber wenn wir in der Fußballsprache bleiben, dann bin ich höchstens ein Schweinsteiger, und davon haben wir ja inzwischen auch zwei oder drei. Und wenn ich einer von den drei Schweinsteigers sein darf, dann bin ich sehr zufrieden“, sagt Hildebrandt.

Hanitzsch junior und Dieter Hildebrandt, das sind Motor und kreativer Leiter von „Störsender TV“ – die Liste der weiteren Mitstreiter ist ein Who’s who der deutschen Kabarettszene: HG.Butzko, Georg Schramm, Gerhard Polt und viele mehr wollen mithelfen. Frank-Markus Barwasser, Erfinder der Figur Erwin Pelzig, und Urban Priol haben dem Störsender je 2222 Euro gespendet und treten ohne Gage auf. „Die Produktion kostet natürlich Geld, die Kameraleute werden bezahlt“, sagt Redaktionsleiter Hanitzsch. „Und ich zahle mir ein Gehalt, die Künstler verzichten aber auf ihre übliche Gage.“

Der Passauer Kabarettist Sigi Zimmerschied hat gerade vier Wochen lang in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft sein neues Programm gespielt. Bevor es in den Urlaub geht, nimmt er noch eine Szene für den „Störsender“ auf. Als „Sigi Wutbürger“ wird er in jeder Folge auf Anraten seines Psychologen etwas zerstören. Diesmal trifft es einen Osterhasen. Die Idee hatte er vor einer Woche, am Dienstag vor Ostern wurde gedreht. Nach einer Stunde war alles im Kasten. „Beim Bayerischen Fernsehen hätte das drei Wochen gedauert“, sagt Zimmerschied. Nicht nur für ihn ist das ein wichtiger Grund für sein Engagement beim „Störsender“ – die Unabhängigkeit von den Sendeanstalten. Das größte Problem sei die Formatfixierung der Fernsehsatire. Ein Stuhl, ein Tisch, ein Publikum, außerhalb dieses Set-ups sei nichts möglich. Experimente? Fehlanzeige. Zimmerschied dagegen hat Ideen für richtige Satire-Kurzfilme, filmisch anspruchsvoll, visuell herausfordernd. Auch deshalb hofft der Passauer, dass der „Störsender“ ein echte Alternative werden kann. Eines allerdings ist ihm ein bisschen unangenehm: „Für uns, also für die ganze Kabarettszene ist es peinlich, dass das ein 85-Jähriger machen muss.“

Dabei ist Dieter Hildebrandt eigentlich kein Freund des Internets: Facebook und Twitter sind für ihn Fremdworte, wichtige E-Mails liest ihm seine Frau vor. Aber er hat Hoffnung: „Wenn wir mit dem ’Störsender’ dafür sorgen könnten, dass im Internet etwas Sinnvolles passiert, das wäre doch was.“

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