Sportwetten in Medien : In sicheren Händen?

Die DFL-Tochtergesellschaft Bundesliga International hat einen Sponsoringvertrag mit dem Sportwettenanbieter Tipico abgeschlossen - und sich damit Kritik eingehandelt.

Oliver Kahn wirbt für einen Sportwettenanbieter.
Oliver Kahn wirbt für einen Sportwettenanbieter.Foto: dpa

Wenn im Februar wieder Fußball Champions League live im ZDF läuft, wird da ein Mann als Experte vor der Kamera stehen, von dem man nie so genau weiß, ob er mehr Experte oder Markenbotschafter ist. Oder beides? Oliver Kahn wirbt für den Sportwettenanbieter Tipico („Ihre Wette in sicheren Händen“), das wiederum dürfte den Veranstalter der Fußball-Bundesliga freuen, die DFL. Die DFL-Tochtergesellschaft Bundesliga International hat gerade einen Sponsoringvertrag mit Tipico abgeschlossen – und sich damit kräftig Kritik eingeholt.

„Solch ein Sponsoring zu betreiben, ohne Maßnahmen zur Bekämpfung von Spielmanipulationen auszuweiten und offensiv auf die Gefahren der Spielsucht, gerade auch für junge Fußballer, hinzuweisen, steht der von der DFL immer wieder betonten Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung entgegen“, sagt Sylvia Schenk von Transparency International. Dem widerspricht die DFL. Sie sei sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und lege großen Wert auf Präventionsmaßnahmen gegen Spielmanipulation als auch auf Maßnahmen, die auf die Gefahren der Spielsucht hinweisen. Dies würden zahlreiche Aktionen und Initiativen der Dachorganisation der 36 Proficlubs beweisen. Eine Partnerschaft mit Tipico bedeute keineswegs eine Abkehr davon.

„Ärger ist hier vorprogrammiert“

Ein weiterer Kritikpunkt an dem Sponsoringvertrag: Der Deal berührt - auch wenn einzelne Club-Rechte nicht direkt betroffen sind - durchaus Interessen der medialen Lizenznehmer. Tipico darf mit den Wettbewerbslogos der Bundesliga werben. Das Unternehmen bekomme zudem laut DFL-Mitteilung ab der Saison 2018/19 ein in den Medienverträgen der DFL verankertes Erstverhandlungsrecht und sogenanntes „Matching Offer Right“ in Bezug auf bestimmte Sonderwerbeformen bei nationalen Lizenznehmern sowie Branchen-Exklusivität bei entsprechenden Buchungen.

Exklusiv ist auch das Top-Spiel, das Sky am Samstag um 18 Uhr 30 zeigt. Gesponsort wird es von Bwin, Tipico macht die Halbzeitanalyse. Kein Partner habe Exklusivitätsrechte auf Sky, sagt ein Sprecher des Pay-TV-Senders. Sport 1 arbeitet mit dem Wettanbieter Sportingbet zusammen. „Ärger ist hier vorprogrammiert“, twittert Patrick Fischer, Managing Director Sport1 Media.

Offiziell klingt es etwas moderater. „Matching Offer Rights“ für Sponsoren seien auch in anderen Wettbewerben und Ligen Praxis, sagt ein Sport1-Sprecher. "Welche konkreten Auswirkungen das im Rahmen der Partnerschaft zwischen der DFL und Tipico beinhaltete ,Matching Offer Right' ab der Saison 2018/19 auf etwaige Vereinbarungen von Sport1 mit anderen Sportwettenanbietern hat, wird sich zeigen."

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