Medien : Steingart: „Ich bleibe“

Das Wahlergebnis der „Spiegel“-KG und die Folgen

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Damit hatte wohl keiner gerechnet – am Ende fielen beide Kontrahenten durch. Bei der Neuwahl zur Geschäftsführung der Mitarbeiter KG des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ unterlagen sowohl Gabor Steingart, Leiter des Hauptstadtbüros, als auch der bisherige Sprecher der Mitarbeitervertretung, Thomas Darnstädt. Beide hatten sich zuvor einen harten Wahlkampf geliefert. Mit 163 von insgesamt 327 abgegebenen Stimmen aus der Redaktion erhielt Wirtschaftsressortchef Armin Mahler den meisten Zuspruch. Neben Mahler, der bereits dazugehört, sitzt künftig auch die Kulturredakteurin Marianne Wellershoff, auf die 157 Stimmen entfielen, in dem mächtigen Führungsgremium. Bei den Wahlverlierern kam Darnstädt auf 101, Steingart auf 69 und der ebenfalls angetretene Redakteur Manfred Ertel auf 52 Stimmen.

Gabor Steingart, der als „Kronprinz“ von Chefredakteur Stefan Aust gilt, sagte dem Tagesspiegel, dass er die Wahlsieger beglückwünsche. Das Gerücht, dass er im Falle einer Wahlniederlage den „Spiegel“ verlassen würde, dementierte er: „Ich bin ein guter Verlierer. Ich bleibe definitiv beim ,Spiegel’.“ Steingart hatte der alten KG-Führung, allen voran dem früheren Sprecher Darnstädt, Geheimniskrämerei vorgeworfen. Der frühere Verlagsgeschäftsführer Karl Dietrich Seikel sei völlig grundlos ausgetauscht worden.

Insgesamt waren bei der „Spiegel“-KG 792 Mitarbeiter wahlberechtigt. Abgegeben wurden 740 Stimmen. Es gab acht ungültige Stimmen und neun Enthaltungen. Neben den zwei Redaktionssitzen sind in dem fünfköpfigen Spitzengremium traditionell zwei Sitze für Verlagsmitarbeiter und ein Sitz für die Dokumentare reserviert. Im Bereich Dokumentation entfielen von 101 Stimmen 92 auf Cordelia Freiwald. Im kaufmännisch-technischen Bereich erhielten Rainer Buss mit 140 und Thomas Hass mit 125 die meisten der 312 abgegebenen Stimmen. Der Sprecher der KG-Spitze soll bei einer konstituierenden Sitzung im April gewählt werden.

Der „Spiegel“-Mitarbeiter KG gehören 50,5 Prozent des Verlages. 25,5 Prozent gehören Gruner + Jahr und 24 Prozent den Erben des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein. Als Mehrheitseigner hat die KG maßgeblichen Anteil an der Wahl des Chefredakteurs. Wenn Aust statt 2010 schon Ende 2008 gehen soll, können die Gesellschafter seinen Vertrag bis Ende 2007 kündigen. flex

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