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Steve-Jobs-Biografie : iGod wird Mensch

Isaacson selbst nennt die Biografie ein „Buch über das schwindelerregende Leben und die unglaublich intensive Persönlichkeit eines kreativen Unternehmers, dessen Leidenschaft für Perfektion und ungebremster Tatendrang sechs Industriezweige revolutionierte: Heimcomputer, Animationsfilme, Musik, Telefone, Tablet-Geräte und Digital Publishing“.

Vor allem wird Jobs als Produkt seiner Zeit und seiner Umgebung gezeigt. Im Silicon Valley der 60er und 70er Jahre bestand diese Mischung aus der aufkommenden Computertechnik und der Hippie-Gegenkultur der Bay Area. Isaacson beschreibt die kongeniale Verbindung des schüchternen Nerds und Apple-Co-Gründer Steve Wozniak und Steve Jobs, der von seinem Adoptivvater das Verhandeln mit Geschäftspartnern gelernt hatte. Er erläutert, welchen Einfluss die siebenmonatige Reise nach Indien auf Jobs und darauf hatte, die Technik so zu vereinfachen, dass sie intuitiv bedienbar wurde. Er erzählt, wie sich Jobs am elitären Reed-College, das sich seine Eltern eigentlich nicht leisten konnten, mehr für Dylan, Zen und LSD als für die Pflichtvorlesungen interessierte, aber auch, wie er in einem Kalligrafiekurs alles über Serifen und serifenlose Schriftarten erfuhr. Wie diese Verbindung von Kunst und Technologie sich später in allen Apple-Produkten wiederfindet. Ohne Indien und die Kalligrafie wäre die elegante Proportionalschrift möglicherweise nie auf den Computerbildschirm gelangt.

Jobs war weder ein klassischer Erfinder noch Ingenieur, dennoch hat er mit Apple Bedürfnisse befriedigt, von denen die Menschen zuvor nicht wussten, dass sie sie hatten. Insbesondere galt dies für den Ur-Mac und das iPhone, das mit einem Musikplayer, einem Telefon und einem Internetzugang drei Geräte vereinte. Vor allem aber zeigt Isaacsons Biografie, dass es nur durch Jobs’ Mischung aus Leidenschaft und Perfektionismus, Unvernunft und Zielstrebigkeit sowie Kunstverständnis, Wahnsinn und Kontrollsucht möglich war, diese Produkte zu schaffen.

Die ganz große Frage aber ist, wie ein so intelligenter Mensch im Umgang mit seiner Gesundheit sich so unvernünftig verhalten konnte. Als bei einer Nierenvorsorge-Untersuchung ein behandelbarer Tumor an der Bauchspeicheldrüse entdeckt wurde, lehnte er einen chirurgischen Eingriff neun Monate ab und ließ sich mit Saftfasten, Akupunktur und Kräuterpillen behandeln. „Er hat die Fähigkeit, alles zu ignorieren, was er nicht sehen will“, sagte seine Frau Laurene. Auch später, als Metastasen die Leber befallen hatten, war Jobs weder bereit, sich die Schwere der Krankheit einzugestehen, noch die Öffentlichkeit und die Aktionäre darüber zu informieren. An seinem Wesen änderte die Krankheit nichts. Selbst halb bewusstlos riss er sich bei einer anstehenden Operation die Atemmaske herunter und sagte, er hasse das Design und befahl, ihm eine Auswahl von fünf verschiedenen Modellen vorzulegen, von denen er sich eines aussuchen würde.

Nun schreiben andere seine Geschichte und die von Apple weiter.

Walter Isaacson: „Steve Jobs. Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers“. 704 Seiten in deutscher Übersetzung im C. Bertelsmann Verlag, 2011. Als Hardcover 24,99 Euro, als E-Book 19,99 Euro.

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