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Streit mit den Verlegern : Was machen die Öffentlich-Rechtlichen Sender im Internet?

WDR-Intendant Tom Buhrow will online stärker auf den Kernauftrag setzen, also mit weniger Text. Stefan Raue, sein Kollege vom Deutschlandradio, ist gegen „Zeilenzählerei“. Auch Mathias Döpfner hat sich gemeldet.

Der Intendant des Deutschlandradios, Stefan Raue.
Der Intendant des Deutschlandradios, Stefan Raue.Foto: dpa


Die ersten 100 Tage hat Stefan Raue rum, der neue Intendant des Deutschlandradio. Zu seinen Hobbys Jogging/Halb-Marathon und Neil-Young-Hören kommt der gebürtige Wuppertaler zurzeit nicht so oft, wie er am Donnerstag Abend beim Hintergrundgespräch mit Journalisten verriet. Die großen medialen Themen, Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, neue Namen der drei Deutschlandradio-Programme, Telemediengesetz/Streit mit den Verlegern, sind dem ehemaligen trimedialen Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks nicht fremd, sie halten ihn auch in diesen Tagen außer Atem.

Gerade hat Kollege Tom Buhrow, Intendant des Westdeutsche Rundfunks (WDR), angekündigt, im Internet ab sofort einen Schwerpunkt auf Video- sowie Audioformate zu legen. Die wesentlichen nachrichtlichen Fakten würden textlich nur noch knapp zusammengefasst. „Wir setzen online deutlich stärker auf unseren Kernauftrag“, sagte Buhrow am Donnerstag.

Der Sender reagiert damit auf die anhaltende Kritik der deutschen Zeitungsverleger, dass der Textanteil auf den Internetseiten der ARD-Anstalten zu hoch sei. Die Verlage sehen darin eine Wettbewerbsverzerrung und hatten nach dem Scheitern von Gesprächen mit der ARD im März eine „rechtliche Klärung“ angekündigt.

Indes steht Mathias Döpfner, Präsident des Verlegerverbandes BDZV, zu seinem umstrittenen Nordkoreavergleich. „Für mich ist der Begriff nicht wichtig, aber wenn Sie so wollen, hat er seinen Zweck erfüllt. Er hat große Aufmerksamkeit für ein bisher unterschätztes Thema geschaffen“, sagte Döpfner dem "Spiegel". Die Zuspitzung im Streit zwischen Verlagen und ARD und ZDF erfolge, weil „wir Verlage uns nicht mehr anders zu helfen wissen“. In einer Rede Mitte September hatte Döpfner gesagt, wenn es eines Tages nur noch Staatspresse und Staatsfernsehen im Netz geben sollte, wäre das „eher nach dem Geschmack von Nordkorea“.

Die jüngste Ankündigung des WDR, den Textanteil auf dem Onlineportal wdr.de zurückzufahren, um den Verlegern entgegenzukommen, begrüßte Döpfner: „Das freut mich sehr. Dass WDR-Intendant Tom Buhrow das Miteinander von Verlagen und Sendern fördern möchte, ist ein gutes Signal. Vielleicht ermutigt das andere, so zu handeln, vor allem, wenn man sieht, dass es dem Erfolg des Senders nicht schadet, sondern nützt.“

Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova operieren online per se mehr mit Audio-Inhalten als mit Texten, von einer „Zeilen-Zählerei“ hält Stefan Raue trotzdem nichts. Grundsätzlich würde er Buhrow zustimmen. Klar ist für ihn: Öffentlich-rechtliche Anbieter seien „vollkommen ungeeignet für Textmassen“. Was die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, respektive der Programme des Deutschlandradios betrifft: Jährlich würden hier, sagt Raue, Sach- und Personalkosten um zwei Prozent steigen. Der Intendant hält eine Anpassung, sprich eine jeweilige Erhöhung des Rundfunkbeitrags, an den Preisindex für denkbar.

Am Herzen liegt dem Intendanten die Stärkung des Investigativ-Pools. Um Investigatives zu stärken, will Raue mit anderen Medien zusammen arbeiten, außerdem mit weiteren Partnern mehr Konferenzen wie die "nationale Denkfabrik" veranstalten, um die Marke Deutschlandradio zu stärken. Vielleicht ist 2018 dann wieder mehr Zeit für den einen oder anderen Halbmarathon.

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