„Tatort“ Münster: Schlangengrube : Dieses Jahr nur ein „Tatort“ aus Münster – Schluss mit lustig?

In diesem Jahr gibt es nur einen neuen „Tatort“ mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers aus Münster. Aus gutem Grund.

Ein Pinguin in der Rechtsmedizin. Der Münster-„Tatort“ mit Kommissar Thiel (Axel Prahl, links) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) nimmt auf die Gefühle von Tierfreunden wenig Rücksicht.
Kommissar Thiel (Axel Prahl, links) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) im Münster-„Tatort“Foto: WDR/Thomas Kost

Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) als Tierpfleger im Undercover-Einsatz im Allwetterzoo, Professor Karl-Friederich Boerne (Jan Josef Liefers) mit Ambitionen zum Fernsehkoch (seine Kreation: „Mumie im Moor“), Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) als Tatverdächtige in einem mysteriösen Todesfall (Schlangengift im Blut), Herbert Thiel (Claus D. Clausnitzer) auf Vadder-Sohn-Trip inklusive gemeinsamer Fahrradtour nach Amsterdam – für den neuen „Tatort“ aus Münster haben die beiden Autoren Stefan Cantz und Jan Hinter in Kooperation mit Regisseurin Samira Radsi alle Register gezogen.

Vielleicht liegt es ja daran, dass es in diesem Jahr – zum ersten Mal seit der Aufnahme von Münster in den Reigen der „Tatort“-Schauplätze – nur eine Episode aus der westfälischen Beamten- und Studentenstadt gibt.

Und das, obwohl doch gerade die Krimi-Komödien um den stets leicht überforderten Kommissar und den versnobten Rechtsmediziner in schöner Regelmäßigkeit immer neue Zuschauerrekorde brechen. Oder ist man beim WDR zu dem Ergebnis gekommen, dass man auf dem Gipfel des Erfolgs aufhören sollte, dass langsam Schluss mit lustig ist?

Nach Lust und Laune austoben

In dieser Episode mit dem Titel „Schlangengrube“ dürfen sich jedenfalls alle Beteiligten nach Lust und Laune austoben, wobei leider – wie häufig in Münster – die Spannung auf der Strecke bleibt. Zur Story: Eine einsame Frau, der die Liebe zu Tieren über alles geht, kommt in ihrer Wohnung ums Leben, nachdem sie etwas gesehen hat, das nicht für ihre Augen bestimmt war. Zufälligerweise wohnt Staatsanwältin Klemm direkt nebenan und befindet sich seit längerer Zeit in einem Streit mit ihr, was die Juristin zur Hauptverdächtigten macht.

Der angehende TV-Koch Boerne hat derweil ebenso wie der radelnde Kommissar anderes im Kopf als die Lösung eines Falls. Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) wird daher mit den Ermittlungen beauftragt. Weil die Tote zu Lebzeiten zu den großzügigen Förderern des Münsteraner Zoos gehörte und dort einen Großteil ihrer Zeit verbrachte, wird Thiels Urlaub verschoben, als verdeckter Ermittler wird er zum Käfigreinigen in die Tiergehege beordert.

Der beziehungsscheue Kommissar hat sich dort zur Freude der regionalen Medien mit der 22 Jahre alten Pinguin-Dame Sandy angefreundet, die bereits diverse Fernsehauftritte unter anderem bei Stefan Raab, Johannes B. Kerner und Harald Schmidt hatte. Und natürlich gibt es noch eine Verbindung zwischen Boernes Gourmet-Fantasien und Thiels Aushilfsjob.

In einem Punkt dürfte die neue Folge aber auch einigen Ärger provozieren. Wenn Zoo-Tiere in der Rechtsmedizin landen, ist bei Tierfreunden wirklich Schluss mit lustig.

Kein Menetekel für die Münster-Zukunft

Die Halbierung der Münsteraner „Tatort“-Präsenz ist hingegen kein Menetekel für dauerhaft weniger Krimi-Komödien aus der westfälischen Provinz. Vielmehr musste auf die zweite Episode verzichtet werden, weil Friederike Kempter im Spätsommer ihr erstes Kind erwartet. Und in Münster wird Wert auf ein vollständiges Ensemble gelegt, in dem Kommissarin Nadeshda Krusenstern nicht fehlen darf. Das hatten Jan Josef Liefers und Axel Prahl bereits zu früherer Gelegenheit unmissverständlich klargemacht. Vor drei Jahren hatten die beiden Schauspieler öffentlich einen Ausstieg aus der Reihe für den Fall erwogen, dass das Team nicht zusammenbleibt.

Für den Herbst sollen nun im Doppelpack gleich zwei neue „Tatort“-Folgen aus Münster gedreht werden. Wäre es also nicht vielleicht doch möglich, dass bis zum Jahresende eine zweite Episode aus Münster fertiggestellt wird? „Das ist komplett ausgeschossen, da zeitlich nicht umsetzbar“, dämpft die WDR-Pressestelle auf Anfrage solcherlei Hoffnungen.

Eine Lücke bei den „Tatort“-Erstausstrahlungen, die durch eine Wiederholung einer anderen Münster-Folge geschlossen werden müsste, entsteht nach Auskunft des Senders aber nicht. „Die Sendeplätze für Erstausstrahlungen sind auch in diesem Jahr entsprechend programmiert. Lediglich die Anzahl der unterschiedlichen Ermittlerteams variiert schon mal von Jahr zu Jahr.“ Anders gesagt: Möglicherweise gibt es 2019 drei „Tatorte“ mit Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Friederike Kempter, Christine Urspruch, Claus D. Clausnitzer und Mechthild Großmann.

„Tatort: Schlangengrube“, ARD, Sonntag, 20 Uhr 15

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