Medien : Testosteron gegen den Terror

„GSG 9“: Heute startet die erste Serie über die Eliteeinheit der Bundespolizei

Marc Felix Serrao

Versteckspiele machen Spaß, nicht nur Kindern. Bei der jüngsten Pressevorführung von Sat 1 gab es eine weiße Trennwand. Dahinter befand sich jemand, dessen Identität unbedingt geheim bleiben muss, wie eine aufgeregte PR-Frau nicht müde wurde zu betonen. Aufnahmegeräte waren verboten, Kameras sowieso. Der Mann auf der anderen Seite war ein durchtrainierter Enddreißiger mit festem Händedruck und knappen Antworten. „Ja, ich war dabei.“ Wie lange? „Neun Jahre.“ Die Rede ist von der „Grenzschutzgruppe 9“, kurz: GSG 9. 1972, nach dem terroristischen Angriff auf die israelische Olympiamannschaft in München gegründet, jagt die Spezialeinheit der Bundespolizei bis heute Terroristen und Schwerstverbrecher. Die Mitglieder kennen nur der Innenminister und die Angehörigen. Doch, sagt der Mann hinter der Wand, „das Produkt“ sei gelungen. Das Produkt heißt ebenfalls „GSG 9“ und ist die neue Serie von Sat 1.

Was bei der Fernsehtruppe zuerst auffällt, ist, dass hier echte Kerle arbeiten. Wenn sie nicht rennen, schießen oder markige Kürzel ins Funkgerät flüstern, sieht die Truppe um den unrasierten Stoiker Geb Schurlau (Marc Ben Puch) in ihren schwarzen Uniformen vor allem sehr, sehr lässig aus. „GSG 9“, das ist die Antithese zur heutigen TV-Polizei, bei der vom einarmigen Ermittler mit Waffenangst (Kommissar Tauber bei „Polizeiruf 110“) über den Therapiedauergast (Kommissar Borowski beim „Tatort“) bis zur Alkoholikerin („Bella Block“) offenbar nur noch Verbrecher jagen darf, wer ernsthafte Probleme hat. Häuslichen Stress hat die „GSG 9“ zwar auch. Aber die Privatdramen – mal geht die Gattin fremd, mal gibt es Zoff mit dem Bruder – dienen hier eher zum Luftholen, denn als tiefenpsychologische Innenschau. „Ihr Glaube an das Gute macht sie stark“, heißt es im Vorspann. Warum nicht? Bruce Willis hat auf diesem Motto eine ganze Karriere aufgebaut.

Im Mittelpunkt steht bei Sat 1 eine fünfköpfige Einheit, die von Menschenhändlern bis zu islamistischen Fanatikern alles bekämpft, womit Streifenbeamte überfordert sind. Er habe als Berater dafür gesorgt, dass keine „groben Schnitzer“ vorkommen, sagt der ehemalige GSG-9-Mann. Echte Einsatztaktiken seien in der Serie natürlich nicht zu sehen. Aber die Aufträge, der Umgang der PVB f. b. V. (Polizeivollzugsbeamte für besondere Verwendung) mit Zivilisten, Gegnern und untereinander zeige die Serie auf durchaus realistische Weise.

Neben vier blonden Hünen gehört auch Demir Azlan (Bülent Sharif) zum Team. Eine Vorsichtsmaßnahme gegen politisch korrekte Medienwächter? Der Verdacht drängt sich auf. Schon weil der Anteil der GSG9er „mit Migrationshintergrund“ wie überall im deutschen Beamtentum in der Realität verschwindend gering sein dürfte. Wenn sich in der Serie einer über „bescheuerte“ Islamisten aufregt, dann der Deutschtürke Demir, während sich seine Kameraden auffallend zurückhalten. Realitätsfern, vielleicht. Aber anderenfalls oder wenn Sat 1 nur „nordisch“ aussehende Polizisten auf Islamistenjagd geschickt hätte, hätte garantiert einer „Rassismus“ geschrien.

Bleibt die Frage, warum ausgerechnet die diskrete GSG 9 zulässt, dass einer ihrer Ehemaligen daran witwirkt, ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Ein Blick ins Mutterland des „Gender Marketing“ zeigt, dass das Risiko solcher Kooperationen in der Regel gegen Null geht. In den USA gibt es von den „Navy Seals“ übers „FBI“ bis zur „SWAT“-Polizei so gut wie keine polizeiliche und militärische Eliteeinheit ohne Serien- oder Kinokopie. Aus Dankbarkeit für die Beratung sind die Regisseure dort wie hier vieles, kritisch nie. Kein Wunder, dass der frühere Sat-1-Chef Roger Schawinski von Bundesinnenminister Schäuble im vergangenen Herbst persönlich die Erlaubnis erhielt, die neue Serie nach der echten Einheit zu benennen. Vielleicht hat sich Schäuble ja an den Film „Top Gun“ erinnert: Als Tom Cruise – ideell und finanziell vom US-Verteidigungsministerium unterstützt – 1986 in den Luftkrieg zog, explodierten kurze Zeit später die Bewerberzahlen für Kampfpiloten. Das wird bei der GSG 9 vielleicht nicht gleich der Fall sein. Aber für deren Image ist die Serie ein Geschenk. Auch wenn der Berater verrät, dass er im Kampfeinsatz niemals (wie die Sat-1-Truppe in Folge eins) ohne Gesichtsmaske über die Berliner Friedrichstraße spaziert wäre.

Geschenkt. Fürs Publikum sind diese Jungs eine erfrischende Alternative zu all den blassen Neurotikern und Rotweinelsen, die sonst Dienst schieben.

GSG 9, Sat 1, 20 Uhr 15. Ab nächster Woche immer mittwochs, 21 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar