Medien : Toben und Tänzeln

Ein Arte-Film über Macht und Mythos des Meeres

Hans-Jörg Rother

Der britische Komponist Peter Maxwell Davies träumt davon, in die Tiefe des Meeres einzutauchen und dort eine unbekannte Klangwelt zu erkunden. Aber der Mensch ist kein Fisch, und darum begnügt Davies sich damit, die Meereswelt tonal nachzuempfinden. Die Algenfischer an Chiles Küste oder die südkoreanischen Taucherinnen könnten ihm mit ihrem Wissen beistehen. Sie sind auch darin geschult, die Warnzeichen des Meeres, etwa beim Nahen eines Tsunami, rechtzeitig zu erkennen. Aus dem Meer ist das Leben gekommen, aber dem Menschen blieb es ein feindliches, im Gegensatz zum Land unbeherrschbares Element. Ebbo Demant, dessen ebenfalls abendfüllende Arbeiten „Wüste“, „Neruda“ und „Canal Grande“ in guter Erinnerung sind, steht fasziniert vor Größe und Kraft der Ozeane. Verführerisch schöne Bilder projizieren in seinem Arte-Film „Meer“ die von kaltem Blau zu Grün, Weiß und finsterem Schwarz wechselnde Farbe des Meeres. Zitate von Elias Canetti und Joseph Conrad geben den Empfindungen literarischen Glanz. Aber auch an Katastrophen auf stürmischer See, an Land gespülte Leichen und an die gefährlichen Piraten in der Malakka-Straße hat Demant gedacht.

Aber auf alles kann und will der eher lyrisch als episch gestimmte Film nicht hinaus sein. Die Tankerkatastrophen und die Verseuchung der Strände, das Überfischen der Meere visiert Demant nicht an, obwohl er sie wohl mitdenkt, wenn er den klugen Umgang von Indios und südostasiatischen Inselvölkern mit dem Meer preist. Aber schiebt das Meer nicht immer wieder alles Kalkül beiseite? „Das Meer kennt kein Mitleid, keine Treue, kein Gebot, kein Erinnern – als wäre es zu groß, zu allmächtig für gewöhnliche Tugend“, schrieb der seeerfahrene Joseph Conrad.

„Themenabend: Das Meer“, Arte, ab 20 Uhr 40

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