US-Radio in Berlin : Elektro for Democracy

Erste Höreindrücke von KCRWBerlin auf UKW 104,1 zeigen: Es geht um mehr als Donald Trump und Rosinenbomber-Nostalgie.

Alexander Görlach
KCRW Berlin sendet seit 16. Oktober auf der UKW-Frequenz 104,1 Mhz.
KCRW Berlin sendet seit 16. Oktober auf der UKW-Frequenz 104,1 Mhz.Foto: Promo

KCRWBerlin sucht seit Mitte Oktober die Lücke zu füllen, die National Public Radio (NPR) mit seinem Weggang gerissen hat – nämlich ein US-amerikanisches Radioprogramm für die Hauptstadt auf der UKW-Welle 104,1 zu senden. Die Initiatoren des Radios, das sich an den Muttersender in Los Angeles anlehnt, gruppieren sich um John Kornblum, den ehemaligen US-Botschafter in Berlin. Sie wollen nicht an eine Rosinenbomber-Nostalgie anknüpfen, sondern dem Hörer das zeitgenössische Amerika offerieren.

Der Musikgeschmack des Radios ist Elektro, eine Vorliebe, die sich mit der Präferenz der Hauptstadt deckt. Atmosphärisch soll das Lebensgefühl der beiden Metropolen aufgegriffen werden, die verschiedener nicht sein könnten: dort Los Angeles, das Mekka der Filmindustrie, hier der glühende Stern am europäischen Start-up-Himmel. Gemeinsam haben beide Städte einen staureichen Verkehr, der ein gutes Radioprogramm umso nötiger macht.

Amerika ist nicht nur Trump

In einer Zeit, in der man in Deutschland bei USA vor allem an Donald Trump denkt, muss Amerikafreunden jede Offensive recht sein, die das Land in einem anderen als einem grauen Schimmer zeigt. Gerade dieser Tage hat eine Umfrage des Pew Research Center ergeben, dass Deutsche schlechter über die Amerikaner denken als umgekehrt.

Die miesen Werte, die der amtierende Präsident in Umfragen erzielt, scheinen auf die allgemeine Wahrnehmung der USA abzufärben. Dennoch möchte der Sender, so John Kornblum im Tagesspiegel-Interview, kein „Anti-Trump-Sender“ sein.

Neben elektronischer Musik hat das neue Radio politische Formate, die es von seinem Vorgänger NPR übernimmt, im Programm, und Sendungen, die vor allem an der Westküste der USA im KCRW-Programm zu hören sind. Eine eigene Rubrik, die umgekehrt den US-Amerikanern Kultur, Stil und (kulinarischen) Geschmack der deutschen Hauptstadt näherbringen soll, gibt es auch.

Mit Elektro für Menschenrechte

Diese ist wenige Wochen nach dem Start des Radios noch verhältnismäßig klein. Wohin das Radio will, welche Rolle es in Berlin einnehmen mag, das lässt sich noch nicht absehen. Möglich ist vieles.

Für den Moment geht es den Initiatoren darum, dass neben einem britischen, französischen und russischen Radio weiterhin ein amerikanisches zu empfangen ist. Also vielleicht doch ein klein wenig Nostalgie, eine Erinnerung an das Vorwende-Berlin? Viel eher gilt es, einen Platz besetzen in der neuen, heutigen Welt, in der wieder gekämpft wird um Freunde und Bündnisse.

In einer Zeit, in der russische Einflussnahme in den Medien, die in Deutschland verfügbar sind, zunimmt, ist jede auf Pluralität und Stärkung der Demokratie ausgerichtete Maßnahme mehr als begrüßenswert. Mit Elektromusik für Pluralismus, Menschenrechte und Grundgesetz? Wenn das die Mission des neuen Radios sein sollte, wäre der Initiative aller Erfolg zu wünschen.

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