ZDF-Krimi mit Tim Bergmann : Nebel und Gespenster

Wieder ein Taunuskrimi im ZDF– eine fesselnde Geschichte, aber nicht so gut wie die letzten Nele-Neuhaus-Verfilmungen.

Am Tatort: von Bodenstein (Tim Bergmann, l.) und der Förster (Stefan Szaszr).
Am Tatort: von Bodenstein (Tim Bergmann, l.) und der Förster (Stefan Szaszr).Foto: ZDF und Sophie Schüler

Die Verfilmungen der „Taunuskrimis“ von Nele Neuhaus wurden erst dann richtig gut, als sich das ZDF entschlossen hat, die Romane als zu Jahresbeginn ausgestrahlte Zweiteiler produzieren zu lassen (2016: „Böser Wolf“, 2017: „Die Lebenden und die Toten“). Beide Male gelang es Marcus O. Rosenmüller, 180 Minuten lang zu fesseln. Mit der achten Produktion, „Im Wald“, ist nun der bislang letzte Roman der „Bodenstein & Kirchhoff“-Reihe verfilmt. Qualitativ sind diese drei Stunden ein Rückschritt.

Während die beiden anderen Zweiteiler keine Minute zu lang waren, ist diesmal der zweite Teil voller Redundanzen, als gelte es, auch jene Zuschauer mitzunehmen, die den ersten verpasst haben. Dabei ist die Handlung von einer Komplexität, die die doppelte Filmlänge rechtfertigt. Das Drehbuch stammt erneut von Anna Tebbe. Der große Reiz ihrer Geschichte liegt nicht zuletzt in der persönlichen Betroffenheit von Kommissar Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann). Nach der spektakulär gefilmten Ermordung eines Mannes – ein Wohnwagen explodiert – wird der Leiter der Kripo Hofheim mit den Gespenstern seiner Kindheit in dem Taunusdorf Waldhain konfrontiert.

Das Verbrechen ist der Auftakt zu einer Mordserie, die offenbar mit einem Ereignis in Bodensteins Kindheit zu tun hat. Damals ist sein bester Freund Artur, ein Kind russlanddeutscher Einwanderer, spurlos verschwunden. Bodenstein ahnt den Zusammenhang zwar, belegen kann er ihn nicht. Pia Sander (Felicitas Woll) hält ihn ohnehin für befangen, schließlich führen sämtliche Nachforschungen zu Menschen, die der Kollege sein Leben lang kannte und kennt.

Nebel wie im Horrorfilm

Erwartungsgemäß erzählen Tebbe und Rosenmüller die Geschichte auf zwei Ebenen: hier die Gegenwart, dort die Vergangenheit, die der Regisseur in verwaschenen Farben zeigt. Clever auch die Idee, die Spuren damals wie heute zum gleichen Verdächtigen führen zu lassen. In Wirklichkeit ist der einstige Fußballtrainer Leonard Keller (Hannes Wegener) jedoch die tragische Figur der Geschichte. Als er gleich zu Beginn in einer Rückblende das erste Mal auftaucht, setzt ihm seine Freundin Patrizia ein Bolzenschussgerät an den Kopf. Er hat den angeblichen Suizidversuch zwar überlebt, ist fortan jedoch schwer behindert. 35 Jahre später will ihm der wahre Mörder erneut seine Taten in die Schuhe schieben.

Sehenswert ist die Bildgestaltung (Kamera: Marcus Kanter) mit den eingestreuten optischen Bruchstücken (Schnitt: Claudia Klook), die elektronische Musik (Florian Tessloff) tut alles, um „Im Wald“ mit Thriller-Atmosphäre zu versehen. In der Friedhofsszene wallen zum Ende des ersten Teils Nebel wie in einem zweitklassigen Horrorfilm.

„Ein Taunuskrimi“, Dienstag, ZDF, 20 Uhr 15. Zweiter Teil am Mittwoch.

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