Die Empörung über dubiose Praktiken weicht der Sorge um das Überleben der Zeitungen

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Zeitung : Familienspaß und Ethik

Murdoch stellt sich mit dem Launch schützend vor die Zeitung, mit der vor 43 Jahren seine internationale Unternehmerkarriere begann. Eigenhändig entwarf er Layouts und regte Themen an. Er versprach der Redaktion auch die Wiedereinstellung von – nach Polizeiermittlungen – suspendierten „Sun“-Journalisten und will ihre Gerichtskosten bezahlen. Sogar der „Guardian“, dessen hartnäckiger Journalismus zur Wiederaufnahme von Polizeiermittlungen gegen Murdoch-Journalisten und der Schließung der „News of the World“ führte, lobte Murdoch: Der „Erzzauberer der Druckmedien“ überrasche seine Kritiker, motiviere seine Redakteure und verblüffe die Konkurrenz mit Schnelligkeit und Wagemut.

In Großbritannien ist die Phase der Empörung über dubiose Praktiken der Zeitungen nun der Sorge um die Presse und ihre Freiheit gewichen. In Murdoch sieht man sogar einen Verteidiger bester Zeitungstraditionen. Zeitungsmacher und Medienkommentatoren fürchten, dass die britische Presse ähnlich wie in Frankreich unter eine gesetzliche und damit auch politische Aufsicht gestellt werden könnte.

Sogar Bildungsminister Michael Gove, ein ehemaliger Journalist, warnte in einer Rede ausdrücklich vor der „fröstelnden Atmosphäre“, die von der Leveson-Untersuchung ausgehe. Die Krise der „Sun“ bedroht die britische Zeitungslandschaft ganz unmittelbar. Murdochs News International gibt auch die „Times“ und die „Sunday Times“ heraus. Diese defizitären Zeitungen sind zum Überleben auf die Gewinne der „Sun“ und einer starken Sonntagszeitung angewiesen.

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