Meinung : Auf Spesen spekuliert

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In der Birthler-Behörde sind im Rahmen von Forschungsarbeiten gefälschte Unterlagen über angebliche inoffizielle Mitarbeiter (IM) der Stasi aufgetaucht. Wasser auf die Mühlen derer, die gern die Zuverlässigkeit der Akten anzweifeln, um einen wesentlichen Teil der DDR-Vergangenheitsaufarbeitung generell infrage zu stellen? Die Nachricht taugt nicht zur moralischen oder justiziellen Entwertung des 180-Aktenkilometer-Erbes: Die bisher ermittelten 24 fiktiven Fälle waren nach Auskunft der Behörde Versuche von Führungsoffizieren, mit getürkten IM-Identitäten höhere Spesen einzutreiben – allesamt billige Tricks, die schon zu DDR-Zeiten aufflogen und mit drastischen Strafen bis hin zur Entlassung aus dem Dienst belegt wurden. Selbst wenn man die Fälle um eine Dunkelziffer hochrechnet: Bei mindestens 600 000 IM in 40 Jahren DDR-Geheimdienstgeschichte kann die Zahl der Fälschungen nur marginal gewesen sein. Bei der Bewertung von IM-Fällen sind ohnehin drei Maßstäbe anzulegen: Liegt eine Verpflichtungserklärung vor? Wurde der Spitzeldienst belohnt? Und: Entstand ein Schaden für einen Dritten? Derartig viele Querverweise aber kann man nicht fälschen. sc

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