Meinung : Bildung braucht Konjunktur

Pädagogen präsentieren einen Ausweg aus der Misere, doch die Wirtschaft muss helfen

Uwe Schlicht

Die Unsicherheit über die Zukunft Deutschlands ist groß. Sie wird nicht nur aus den Daten der Arbeitslosigkeit gespeist, sondern ist auch eng verbunden mit den Ängsten von Eltern über die Zukunft ihrer Kinder. Wer findet den Stein der Weisen, mit dessen Hilfe sich die Misere schnell überwinden lässt?

Niemand findet diesen Stein der Weisen, weil es ihn nicht gibt. Vielmehr muss eine Reform der kleinen Schritte auch in der Schule geschehen. Dabei muss man auf der einen Seite Zeit gewähren, auf der anderen rechtzeitig das Erreichte überprüfen. Deutschland befindet sich mitten in diesem Prozess.

Eine Gruppe von Erziehungswissenschaftlern um den Präsidenten der Freien Universität Berlin, Dieter Lenzen, hat nun ein Programm vorgestellt, das als Ausweg aus der Bildungsmisere präsentiert wird: mehr Autonomie für die Schulen, Lehrer nach Leistung bezahlen und nicht mehr auf Lebenszeit anstellen, Aufgabe der Hauptschulen und Einführung von Mittelschulen als Alternative, Erweiterung des Hochschulzugangs über das Abitur hinaus. Vieles davon ist nicht neu, zu begrüßen aber ist die Absicht des Expertenteams, die Lage in der Bildung regelmäßig kritisch zu überprüfen und damit eine Alternative zu dem Bildungsbericht von Bund und Ländern zu bieten.

Bundesweit gelten jetzt Bildungsstandards für die wichtigsten Schulfächer. Sie sind so konzipiert, dass von den Schülern keine Traumergebnisse an Wissen und Fertigkeiten erwartet werden können, sondern sie zielen auf das Normale, was für die Masse erreichbar sein soll. Die Organisationsreform ist auch auf dem Weg: Immer mehr Schulen definieren ihr eigenes Profil und können künftig mitentscheiden, welche Lehrer zu ihrem Profil passen. Das ist erreichbare Autonomie. Die Hauptschulen werden nicht in jedem Land abgeschafft, weil sie vor allem im Süden Deutschlands nach wie vor erfolgreich sind. Aber immer mehr Länder bereiten sich auf eine Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen vor, wie sie zuerst nach der Wende im Osten Deutschlands erfolgreich umgesetzt worden ist.

Die Lehrer machen einen schweren Job, und heute muss man dafür werben, dass sich Jugendliche für diese aufreibende Arbeit bereitfinden. Sie brauchen in ihrem Beruf die Sicherheit von Beamten oder Angestellten des öffentlichen Dienstes, auf der anderen Seite jedoch Anreize für eine leistungsbezogene Bezahlung, die sich daran orientieren sollte, ob der Lehrer einen guten Unterricht bietet. „Eggheads“, die an den Hochschulen eine unverständliche Wissenschaftssprache gelernt haben und sich anschließend nur schwer in den Unterricht von Jugendlichen einbringen können, gibt es genug.

Es ist gut, dass die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft hinter den Vorschlägen der Experten steht. Nur kostet eine umfassende Bildungsreform Milliarden, und es ist an der Zeit, dass sich die Wirtschaft dazu äußert, welchen Beitrag sie davon übernehmen wird. Der Staat alleine wird es nicht schaffen. Das gilt für die Finanzierung der Krippenplätze bis zu den neuen Studienplätzen.

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