Lindner und Kubicki: jeder kämpft für sich

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Brüderle, Kubicki und Lindner : Das letzte Aufgebot des deutschen Liberalismus

Ein merkwürdiges Trio ist da angetreten, um die FDP in die politische Zukunft zu führen. Programmatisch verbindet sie wenig, jeder der drei kämpf nur für sich selbst und auf eigene Rechnung.

Da ist zunächst Wolfgang Kubicki. Der 60-jährige Rechtsanwalt präsentiert in Schleswig-Holstein seit Jahren seine politische One-Man-Show, auf Parteifreunde und Parteiprogramm nimmt er dabei keine Rücksicht. Munter profiliert er sich daheim im Norden auf Kosten der Parteispitze. Schon Guido Westerwelle hatte er mit seinen legendären Interviews fast im Alleingang aus dem Amt getrieben und nun teilt er auch gegen dessen Nachfolger Rösler nach Belieben aus. Auf dem Parteitag in Karlsruhe trat Kubicki sogar für eine Reichensteuer ein, genauer gesagt für die Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent für Einkommen über 250.000 Euro. Das klang mehr nach SPD als nach jener FDP, die noch im letzten Bundestagswahlkampf mit der Parole „mehr Netto vom Brutto“ angetreten war.

Die Bilder zum Niedergang der FDP:

FDP - Chronik des Niedergangs einer Partei
Im Herbst 2009 ist die FDP mit sich und der Welt noch im Reinen. Bestes bundesweites Ergebnis aller Zeiten, erste Regierungsbeteiligung seit elf Jahren und Wunschkoalition. Die liberale Brust schwillt über vor Stolz. Westerwelle und Co. träumen von einer neuen schwarz-gelben Ära.Weitere Bilder anzeigen
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29.03.2012 16:34Im Herbst 2009 ist die FDP mit sich und der Welt noch im Reinen. Bestes bundesweites Ergebnis aller Zeiten, erste...

Am 6. Mai soll Kubicki den Grundstein für die liberale Auferstehung legen. Das Fundament soll eine Woche später Christian Lindner in Nordrhein-Westfalen gießen. Der 33-Jährige, der sein ganzes Leben nichts anders gemacht hat als FDP, lässt sich im Wahlkampf bereits als Retter seiner Partei feiern, als liberaler Heilsbinger. Er stilisiert die Landtagswahl zur Richtungsentscheidung über die Zukunft nicht nur Nordrhein-Westfalens, sondern ganz Deutschlands. Von der Bundes-FDP und der schwarz-gelben Bundesregierung setzt er sich, anders als Kubicki, jedoch eher in leisen Tönen ab. Wie viel Schein und wie viel politische Substanz in Christian Lindner steckt, wie viel Selbstbewusstsein und wie viel Selbstüberschätzung sich hinter der PR-Maske verbergen, lässt sich allerdings schwer sagen.

Seit 2009 war Lindner FDP-Generalsekretär, erst von Westerwelle und anschließend von Rösler. Nachhaltige politische Akzente konnte Lindner vor seinem überraschenden Rücktritt im Dezember 2011 allerdings kaum setzen. Für den Niedergang der FDP seit der Bundestagswahl ist er eigentlich genauso verantwortlich. Doch nun versucht er, sich an Rhein und Ruhr mit jugendlichem Elan als Vater einer erneuerten FDP zu profilieren.

Wenn Kubicki und Lindner ihr politisches Werk vollbracht haben, wird anschließend in Berlin viel von Fraktionschef Rainer Brüderle abhängen. Gefühlt war Brüderle in der FDP schon immer dabei, seit vier Jahrzehnten ist er Mitglied der Partei, seit fast 20 Jahren sitzt er im Bundesvorstand, seit zehn Jahren ist er stellvertretender Parteichef. In Rheinland-Pfalz hat der 66-Jährige zusammen mit CDU und SPD regiert, im Bund wurde er 2009 Wirtschaftsminister, musste aber im vergangenen Jahr nach einem verlorenen Machtkampf dem neuen Parteichef Philipp Rösler und seiner Boygroup weichen.