Meinung : Bürger zweiter Klasse

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Wut und Empörung über die absurde Entscheidung einer Frankfurter Familienrichterin sind einhellig, und man möchte mit einem geflügelten Berliner Wort sagen: Das ist gut so. Das ist aber zu wenig. Was sich in Frankfurt zeigt, kommt Rassismus recht nahe – hier ist er nicht an NPD-Stammtischen zu Hause, sondern in den bürgerlichen Vierteln und vielleicht mehr und mehr auch vor Gericht: Ausländer oder die wir dafür halten, die sind eben anders, für die gilt nicht einfach, was für „uns“ gilt. Das hat wenig mit Religion und viel mit kultureller Arroganz zu tun. Hätte die Richterin, die der Frau eines Marokkaners die schnelle Scheidung unter Verweis auf den Koran verweigerte, dies bei einer Christin getan? Hätte sie den Apostel Paulus zitiert („Der Mann ist das Haupt der Frau wie Christus das Haupt der Gemeinde ist“), wenn die sich gegen ihren Ehetyrannen gewehrt hätte? Selber schuld, warum haben Sie auch kirchlich geheiratet? Wohl kaum. Das ist nicht falsche Toleranz, wie Multikulti-Hasser meinen, sondern traurige Gleichgültigkeit gegen „andere“. Das Abendland geht nicht unter, unser Recht wird nicht islamisch. Aber leider droht denen, die man nicht als zugehörig akzeptiert, ein Leben als Bürger zweiter Klasse. ade

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