Meinung : „Dann werde ich auch gewinnen“

Hans-Hagen Bremer

Es gibt ein Bild von François Bayrou auf seinem Gestüt in Bordères am Fuß der Pyrenäen. Darauf umfasst er als Wochenendfarmer in Stiefeln, Jeans und Polohemd den Hals einer Stute und schmiegt seinen Kopf an den ihren. Ein anderes Foto zeigt den Präsidentschaftskandidaten der Zentrumspartei Union pour la Démocratie Française (UDF) im Gespräch mit Jugendlichen in Val Fourré, einem der explosiven Problemviertel der Pariser Banlieue, in das bisher weder Nicolas Sarkozy, der Kandidat der Konservativen (UPM), noch die Konkurrentin von den Sozialisten, Ségolène Royal, einen Fuß gesetzt haben. Ob als Pferdeflüsterer oder als Wahlkämpfer, Bayrou flößt Vertrauen ein. Im Rennen um den Elysée-Palast ist er von einer Außenseiterposition auf den dritten Platz vorgerückt.

Laut einer der letzten Umfragen könnte Bayrou bis zu 19,5 Prozent der Stimmen beim ersten Wahlgang am 22. April bekommen. Um Sarkozy oder Royal zu überholen, würde das nicht reichen. Sollte jedoch einer der beiden Favoriten wie 2002 der Sozialist Lionel Jospin stolpern, dann würde er und nicht der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen in die Stichwahl am 6. Mai einziehen. Und das sogar mit der ihm von den Meinungsforschern vermittelten Gewissheit: „Dann werde ich auch gewinnen.“

Schon die Tatsache, dass seine Teilnahme an der zweiten Wahlrunde für möglich gehalten werde, stelle für Bayrou einen Sieg dar, meint „Le Monde“. Bayrou sieht in dem Trend eine Bestätigung seines Kurses, die „prähistorische“ Rechts-Links-Konfrontation zu überwinden. Regierungswechsel hätten in der Vergangenheit nur dazu geführt, dass der Staat von der jeweils anderen Partei konfisziert wurde, ohne dass die Probleme des Landes gelöst worden wären. „Das sind die Wähler leid“, sagt er. Sie wünschten eine „neue Mehrheit für eine neue Zeit“, um Frankreich aus der Sackgasse herauszuführen. Dazu will er die Kräfte der Rechten und Linken, die dieselben Werte teilen, in der Mitte zusammenbringen. Wie die große Koalition in Deutschland sollen sie die Fragen des Klimaschutzes, der Staatsverschuldung, der Renten oder der Beschäftigung gemeinsam anpacken.

Der 55-Jährige, der nach seiner Ausbildung zum Gymnasiallehrer in die Politik eintrat, Abgeordneter wurde und zweimal Erziehungsminister war, wuchs als Sohn eines Landwirts im Béarn auf, der Heimat Heinrichs IV. Auf den „guten König“, der die Spaltung Frankreichs nach den Religionskriegen überwand, beruft er sich als sein Vorbild. Über ihn schrieb er eine Biografie, die zum Bestseller wurde. Mit dem Honorar erfüllte er sich den Kindheitstraum einer eigenen Pferdezucht. „Das war wichtig für mein Gleichgewicht“, sagt er.

Bayrous Popularität erklären die Meinungsforscher in erster Linie als Ablehnung Sarkozys – vor allem bei Linkswählern. Unter ihnen wachsen die Zweifel an der Fähigkeit Royals, Sarkozys Wahl zu verhindern, wie ein offener Brief von Sozialisten unter dem Pseudonym „Spartacus“ zeigt. Sollte Bayrou dem UMP-Kandidaten Sarkozy tatsächlich gefährlich werden, würde er aber sein politisches Überleben riskieren. Denn dann verlöre seine UFD bei der anschließenden Parlamentswahl die Unterstützung der UMP. Auf die ist Bayrous Partei aber angewiesen, um in Fraktionsstärke in die Nationalversammlung zurückzukehren. „Noch haben wir in keinem der von der UDF gehaltenen Wahlkreise eigene Kandidaten aufgestellt“, hat die UMP bereits gedroht.

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