Meinung : „Das war out of reach, wie der Bayer sagt“

Mirko Weber

Wer Fastenprediger am Münchner Nockherberg werden will, wenn dort im März das Starkbier ausgeschenkt wird und die Politiker „derbleckt“ (d. h. veralbert) werden, braucht eigentlich so ein Mündchen, wie es der Schauspieler Walter Sedlmayer besaß: Das spitzte der immer unnachahmlich unter dem Schnurrbart, sobald er ans Lästern ging und er seine eigenen Pointen mimisch kommentierte. Ersatzweise tut es auch ein gut geöltes Mundwerk wie es Bruno Jonas zuletzt immer hatte, wenn er als „Bruder Barnabas“ seine Mischung aus ironischer Bibelexegese und sardonischer Politikerbeschimpfung zelebrierte. Es geht aber auch vielleicht mit einer großen Klappe wie der von Django Asül. Der neue Fastenprediger vom Nockherberg, der am heutigen Donnerstag zum ersten Mal auftreten wird, ist ein niederbayerischer Türke und heißt mit bürgerlichem Namen Ugur Bagislayici. Geboren ist er in Deggendorf.

Bruno Jonas hatte den Verantwortlichen der Brauerei, die das Nockherbergspektakel traditionell veranstaltet, schon länger mitgeteilt, dass er die zur Verfügung stehenden Thematiken für eine Fastenpredigt in den letzten Jahren ausgezuzelt habe wie eine Weißwurst und deshalb als Bruder Barnabas zurücktrete. Jonas war immer mit einer Kutte bekleidet zum Derblecken gekommen, eine Idee, die auch schon ein anderer Fastenprediger vor ihm gehabt hatte, nämlich der Schauspieler Max Grieser.

Seit Jonas nicht mehr wollte, hatte sich die Brauerei auf Django Asül kapriziert, der nicht nur in Bayern, aber vor allem dort durch seine Soloprogramme als Kabarettist bekannt geworden ist. Im bürgerlichen Leben ließ sich der 1972 geborene Django Asül eine Ausbildung zum Bankkaufmann und zum Tennislehrer gefallen, ehe er auf die Bretter wechselte und Mitschnitte wie „Hämokratie“, „Autark“ oder „Hardliner“ veröffentlichte. Neben regelmäßigen Beiträgen für den „Kicker“ schreibt Asül auch eine Kolumne für den „Donaukurier“. Dass er jedoch je etwas mit dem Nockherberg zu tun haben könnte, daran habe er „keine Sekunde“ in seinem Leben gedacht. „Man braucht ja einen gewissen Background, Lebenserfahrung, Autorität. Es war aber nicht so, dass ich mich mit 50 dort gesehen habe. Das war out of reach, wie der Bayer sagt“, sagte Asül in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Für den Nockherberg hat er vorerst beschlossen, zwar keine Kutte, aber trotzdem „irgendetwas anzuziehen“, schließlich solle weiterhin gewährleistet bleiben, so Asül, dass der Bayerische Rundfunk die Fastenpredigt überträgt – und nicht RTL 2. Darüber hinaus könnte es sein, dass Django Asül ein Thema wie den Beitritt der Türkei in die EU nicht ganz vernachlässigen wird. Angst vor dem Auftritt habe er nicht, sagte Asül, eher eine „sehr gesunde Anspannung“. Große Schwierigkeiten, den circa einstündigen Vortrag anzureichern, wird er keine haben, schließlich ist in der bayerischen Politik im Augenblick einiges in Bewegung, dass sich eine kabarettistische Betrachtung lohnt. Die außereheliche Beziehung von Horst Seehofer will er jedenfalls nicht moralisch aufarbeiten. „Das kriegt er ja jeden Tag in den Leitartikeln oder per Anrufe der Frauenunion um die Ohren gehauen. Und Stoiber? „Sagen wir so: Ich werde sicherlich auf seine besondere Situation eingehen, auf diesen Schwebezustand zwischen dem Hier und Jetzt und eigentlich schon wieder der Vergangenheit.“

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