Meinung : „Ein Kampf ist einfacher als ein Deal“

Hartmut Scherzer

Knapp 13 Millionen Menschen haben vor dem Fernseher gesessen – und 15 000 Besucher in der ausverkauften Mannheimer Arena. Die Zahlen sind ein Zeugnis für die Popularität Wladimir Klitschkos. Die Enttäuschung des Publikums über das schnelle Ende kann der Beliebtheit des demnächst 31-jährigen Ukrainers keinen Abbruch tun. Denn der zwei Meter große Modellathlet hat nur seine Pflicht getan. Kurz mit links. Für die Wahl und die Qualität seines Herausforderers, Ray Austin, war der IBF-Weltmeister nicht verantwortlich.

Blitz-K.-o.s gehören zur Geschichte des Schwergewichts: Max Schmeling (gegen Joe Louis), Floyd Patterson (zweimal gegen Sonny Liston), Sonny Liston (gegen Muhammad Ali), Joe Frazier (gegen George Foreman), Michael Spinks (gegen Mike Tyson), Lennox Lewis (gegen Oliver McCall) und Wladimir Klitschko selbst (gegen Corrie Sanders) stehen in der langen Liste prominenter Weltmeister aller Klassen, die die zweite Runde nicht überstanden.

Klitschko, als Ukrainer in Kasachstan, damals Teil der inzwischen zerfallenen Sowjetunion, geboren, wurde von den Deutschen sozusagen adoptiert, seit er als Olympiasieger von 1996 in Hamburg zusammen mit seinem älteren Brüder Vitali Profi wurde. Der intelligente und charmante Kosmopolit spricht fließend, fast akzentfrei Deutsch, ist wie der große Bruder studierter Sportwissenschaftler mit Doktortitel und kümmert sich – natürlich zusammen mit Vitali – in karitativen Projekten um Kinder in Not und Armut auf dieser Welt.

Sein Traum aber ist es, nicht nur einer von vier Drei-Buchstaben- Weltmeistern zu sein, sondern der einzig wahre, legitimierte Champion. Daher fordert er die drei Gegenweltmeister zur Vereinigung heraus, als ersten den 2,13 Meter großen Riesen Nikolai Walujew (WBA). Das ist der Kampf, den jeder sehen will. Doch zunächst muss der Russe gegen den Usbeken Ruslan Tschagajew kämpfen – am 21. April in Stuttgart.

Wenn überhaupt, würde das Duell der Giganten aus Kiew und St. Petersburg erst gegen Jahresende stattfinden. Da Klitschko nicht so lange warten will, plant er im Sommer eine freiwillige Titelverteidigung. Der US-Bezahlsender HBO, der ein Mitspracherecht bei der Wahl des Gegners beansprucht, empfiehlt Lamon Brewster. Vor drei Jahren verlor Klitschko gegen den Amerikaner seinen WBO-Titel durch einen merkwürdigen Blackout und K. o. in der fünften Runde.

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