Islamische Postmoderne oder bigott-koranische Unterentwicklung?

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Europa und der Arabische Frühling : Das doppelte Gesicht des Westens
Ägyptens Präsident Mohammed Mursi: Ein ägyptischer Cromwell?
Ägyptens Präsident Mohammed Mursi: Ein ägyptischer Cromwell?Foto: dpa

Nicht zu vergessen die Vereinigten Staaten, die in den vergangenen dreißig Jahren auch von christlichen Fundamentalisten regiert wurden, von der Moral Majority Ronald Reagans bis zu den Christlichen Konservativen George Bushs jr. Sobald es um handfeste Unterstützung ging, haben die USA und die Westmächte überall in der Welt immer den Beziehungen zu Religiösen oder Integralisten den Vorzug vor linken oder laizistischen Parteien gegeben. Es war zunächst Israel, das die Hamas finanzierte, um eine damals „säkulare“ Organisation wie die PLO zu schwächen. In Pakistan zog man General Zia ul Haq dem weltlichen Ali Bhutto vor. Im Indien der 90er Jahre wurde die radikalhinduistische Bharatya-Janatha-Partei gegen die weltliche Kongresspartei der Familie Nehru ausgespielt.

Bilder: Ausschreitungen in der islamischen Welt nach dem Mohammed-Film

Muslime protestieren gegen Schmähfilm
Junge Männer liefern sich Straßenschlachten mit der pakistanischen Polizei. Die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet sind in vielen Ländern friedlich verlaufen. In Pakistan aber kamen mindestens zwei Menschen bei Ausschreitungen ums Leben.Weitere Bilder anzeigen
1 von 98Foto: AFP
21.09.2012 14:25Junge Männer liefern sich Straßenschlachten mit der pakistanischen Polizei. Die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet sind in...

Dieselbe Vorliebe zeigte sich auf dem Balkan in den 90ern und schlägt im Nahen Osten heute vollständig durch. Wen anders als die diversen Salafisten, Wahhabiten, Muslimbrüder und andere Größen des islamischen Konfessionalismus hat der so laizistische Westen in Syrien und Libyen finanziert? Was anders tut er als genau jenen „Kampf der Kulturen“ anzuheizen, der ihm doch angeblich ein Gräuel ist? Hier setzt Blackburns zweite These an: Den muslimischen Gesellschaften wurde nie eine Chance gegeben, eine säkulare Demokratie zu entwickeln. Wann immer sie es versuchten, wurde das im Keim erstickt, wie zum Beispiel 1953 der bürgerliche (nationalistische) Mohammed Mossadegh im Iran.

Der einzige Laizismus, den man im Westen mochte, war der der Diktaturen, egal ob zivil oder militärisch wie in der Türkei, in Ägypten, in Syrien, im Irak, in Tunesien, in Algerien, und zuletzt im Libyen Oberst Gaddafi.

Man kann verstehen, dass die Türken genug hatten vom tyrannischen Gefängnis-Laizismus ihrer Generäle und sich einer islamistischen Partei anvertrauten: Weil all diese Regime sozialpolitisch erbarmungslos waren und die einzige Unterstützung von islamischen Wohltätigkeitsorganisationen und ihrem Netzwerk – Modell Caritas – kam.

Es ist insofern gar nicht so geheimnisvoll, warum Ägypter und Tunesier islamisch gewählt haben. Ein Problem ist nur herauszufinden, ob Ägyptens Präsident Mohammed Mursi ein ägyptischer Cromwell wird oder eine arabisch-sunnitische Variante von Khomeini. Die Frage ist, ob es den neuen konfessionellen Regierungen gelingen wird, die skandalösen wirtschaftlichen und sozialen Gegensätze auszugleichen oder ob sie wieder das alte Bündnis zwischen Klerus und Feudalismus knüpfen werden. Mit anderen Worten: Ob sie den Nahen Osten in eine islamische Postmoderne führen – oder die korrupte, westlich eingefärbte Unterentwicklung durch eine bigott-koranische ersetzen werden.

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