Wie deutsches Kapital in die Südländer floss

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Europa : Die Mär vom Euro-Gewinner Deutschland
Der Euro - Erfolgsprojekt oder Kostenfaktor für Deutschland?
Der Euro - Erfolgsprojekt oder Kostenfaktor für Deutschland?Foto: dpa

Zwischen 1995 und 2008 hatte Deutschland eine höhere Sparquote als die meisten anderen OECD-Länder, es verzeichnete allerdings die niedrigste Investitionsrate. Im Schnitt wurden in dieser Zeit 76 Prozent aller deutschen Ersparnisse (von Privatleuten, der öffentlichen Hand und von Unternehmen) im Ausland angelegt.

Wie der Leiter des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, gezeigt hat, durchlief Deutschland in den Jahren vor der Euro-Krise eine Phase massiver Kapitalausfuhr – Kapital, das in der südlichen Euro-Zone zu einem nie da gewesenen Wirtschaftsaufschwung geführt hat, besonders auf dem Immobilienmarkt. Die Ausfuhr deutschen Kapitals in die angelsächsischen Länder und nach Frankreich erhöhte sich bis etwa 2008 ebenfalls deutlich. Zwischen 1995 (dem Jahr, in dem die wesentlichen Details der Währungsunion festgelegt wurden) und 2011 hatte Deutschland dem Europäischen Amt für Statistik (Eurostat) zufolge die niedrigste Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukt unter allen europäischen Ländern. Man könnte das damit begründen, dass Deutschland Mitte der 90er Jahre die schlimmsten Nachbeben der Wiedervereinigung erlebte. Doch das Wachstum blieb auch im Zeitraum zwischen 1998 und 2011 unterhalb des Durchschnitts – sowohl in Europa als auch in der EU. Deutschland wuchs jährlich um 1,4 Prozent, im Vergleich zu 1,7 Prozent in Frankreich, zwei Prozent in den Niederlanden und 1,6 Prozent in der gesamten Euro-Zone.

Betrachtet man die Leistung der deutschen Volkswirtschaft aus einer europäischen und transatlantischen Perspektive, zeigt sich ein noch weniger beeindruckendes Bild. Im oben genannten Zeitraum wuchsen die schwedische Wirtschaft um 2,8 Prozent, Großbritannien um 2,1 Prozent und die EU um 1,8 Prozent. Deutschland hinkte deutlich hinter den USA hinterher, deren Wirtschaftswachstum im Schnitt jährlich 2,2 Prozent betrug. Nur Japan, Italien, Portugal und Griechenland entwickelten sich in diesem Zeitraum schlechter als Deutschland. Das ist nicht die Bilanz eines Euro-Gewinners.

Erst 2006 begann sich die deutsche Wirtschaft im Vergleich zu den übrigen Euro-Zonen-Ländern besser zu entwickeln, doch blieb das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts nach wie vor hinter dem von Schweden und Österreich zurück. Es lag etwa gleichauf mit dem in den Niederlanden, Finnland und den USA.

In der ersten Euro-Dekade, wiederum den Zahlen von Eurostat zufolge, waren die deutschen Arbeitslosenzahlen höher als die Durchschnittsquote für die Euro-Zone, zeitweise sogar deutlich höher. Die Arbeitslosigkeit begann vor wenigen Jahren deutlich unter den Euro-Zonen-Durchschnitt zu sinken, wobei selten bemerkt wird, dass sie dennoch höher blieb und auch heute noch bleibt als die Arbeitslosigkeit in Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und Japan.