Was Berlin und BER nun tun müssen

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Flughafen-Desaster : Berlin und BER: Schadenfreude verpflichtet

Berlin muss die Aufmerksamkeit aber auch als Forderung annehmen. Dahinter steckt zwar Potenzial, erkennbar am starken Interesse von Zuwanderern und den zuletzt erfreulicheren Wirtschaftsdaten. Aufmerksamkeit und Potenzial reichen aber auf Dauer nicht. Zunächst mal beim Flughafen: Dort wird jetzt ein erfahrener Projektmanager gebraucht, der sich mit hochkomplexen Unternehmungen hervorgetan hat Einer, der sich den Überblick verschafft und ihn behält. Einer, der die unterschiedlichen Gewerke mit Aura, Autorität und Teamfähigkeit zusammenhält, nach innen Rechenschaft verlangt und nach außen Rechenschaft ablegt. Der sich Transparenz aus Souveränität erlauben kann, sich nicht dauernd verfolgt fühlt und mauert, nur um dann von der nächsten journalistischen Enthüllung wieder bloßgestellt zu werden. Wer den Stand der Arbeiten und aufgelaufenen Kosten freiwillig nennt, muss keine Enthüllungsgeschichten fürchten. Davon, dass dies bei einem öffentlich finanzierten, derart teuren Projekt selbstverständlich sein müsste, ganz zu schweigen.

Die Unvollendeten
Wonderland, Freizeitpark, Chenzhuang, China. Es sollte das chinesische Disneyland, der größte Themenpark Asiens werden, eine gigantische Touristenattraktion. Nur 45 Minuten Fahrtzeit von Peking entfernt wäre sie für die Besucher ein Zwischenstopp auf dem Weg zur „Großen Mauer“. Doch daraus wurde nichts, der Bau musste 1998 abgebrochen werden. Zwischen Behörden und lokalen Bauern kam es zum Streit über die Grundstückspreise. Dem thailändischen Investor „Reignwood Group“ ging das Geld aus. Heute verrotten auf der 50 Hektar großen Fläche die Ruinen des fast fertiggestellten Freizeitparks. Zwischen riesigen Stahlkonstruktionen und einem Märchenschloss im Rohbau bestellen die Bauern wieder ihre Felder.Alle Bilder anzeigen
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13.01.2013 15:16Wonderland, Freizeitpark, Chenzhuang, China. Es sollte das chinesische Disneyland, der größte Themenpark Asiens werden, eine...

Wenn das jetzt wie das Anforderungsprofil für einen Regierenden oder einen Bezirksbürgermeister klingt, dann ist das womöglich kein Zufall. Auch die Stadt könnte solche Manager gebrauchen. Das oberste Prinzip wäre, sich ehrlich zu machen und darauf hinzuarbeiten, dass Berlin seine wirtschaftlichen Potenziale nutzt. Wer zum Beispiel gegen „Gentrifizierung“, die Aufwertung von Wohnvierteln zulasten Alteingesessener, vorgehen will, der muss erklären, wie sonst genug Geld für Instandsetzung und Entwicklung reinkommen soll.

Statt Aufwand zu treiben, um Vermietern von Ferienwohnungen nachzustellen oder zu überwachen, ob jemand nun sein Bad kiezwidrig renoviert, sollte lieber in Englischkurse für Behördenmitarbeiter investiert werden. Erst neulich hat der Chef der hiesigen Handwerkskammer beklagt, wie provinziell Berlin in dieser Hinsicht noch ist – ein Hindernis bei der Ansiedlung internationaler Firmen.

Die Schadenfreude ist unendlich, doch auch das Wohlwollen ist zum Glück noch nicht aufgebraucht: „Kurz gesagt: So etwas kann passieren“, heißt es am Ende des „Economist“-Artikels über das Flughafen-Desaster. „Sogar den Deutschen.“

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