Meinung : Friede der Falken

Nordirland hat gewählt, die Hardliner wurden gestärkt – und das ist auch gut so

Markus Hesselmann

Es hat keinen Sinn, mit Menschen zu verhandeln, die nichts durchsetzen können. Mit diesem klugen Satz hat Irlands früherer Premierminister Albert Reynolds einst Gerry Adams verteidigt. Der Führer der radikalrepublikanischen Partei Sinn Fein hatte vom Frieden zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland gesprochen und gleichzeitig toten Terroristen der Irisch Republikanischen Armee (IRA) die letzte Ehre erwiesen. Adams müsse so handeln, sagte Reynolds, damit er die Glaubwürdigkeit bei seinen katholischen Anhängern nicht verliere.

Die Botschaft: In langwierigen Konflikten erringen nur die Hardliner einen dauerhaften Frieden. Einer der ältesten Konflikte könnte so nun gelöst werden. Die Wahl in Nordirland würde dadurch zu einem historischen Ereignis. Eine blutige Auseinandersetzung, die im 16. Jahrhundert mit der Kolonialisierung des katholischen Irland durch protestantische Siedler begann, ginge zu Ende.

Sinn Fein – der Parteiname bedeutet so viel wie „Wir selbst“ – hat bei dieser Wahl noch einmal zugelegt. Bei den nun beginnenden Regierungsverhandlungen stoßen die gestärkten Republikaner auf einen Gegner, der seine Glaubwürdigkeit über die Jahrzehnte noch konsequenter bewahrt hat. Der Reverend Ian Paisley machte mit seiner Democratic Unionist Party gegen alle Versuche einer Machtteilung mit den Katholiken mobil. Jetzt konnte Paisleys Partei ihre Stimmenanteile sogar noch deutlicher erhöhen als Sinn Fein. Sie repräsentiert machtvoll all jene Nordiren, die von der Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich keinen Inch abrücken wollen. Sinn Fein will als Vertreter der katholischen Minderheit die Vereinigung mit der Republik Irland.

Beide Communitys, katholisch wie protestantisch, vertrauen ihren Hardlinern – und wollen, dass sie sich zusammensetzen, um eine handelsfähige Regierung zu bilden. Sie wollen, das zeigen Umfragen am Wahltag, dass sich Ian Paisley am Kabinettstisch mit Politikern zusammensetzt, die der 80-jährige Reverend immer noch sämtlich für Terroristen hält.

Die Chancen für eine Machtteilung sind nicht so schlecht, wie es die historisch verfahrene Ausgangslage vermuten lässt. Sinn Fein hat sich schon vor der Wahl für eine gemeinsame Regierung ausgesprochen. Paisley hat immerhin vermieden, den Kompromiss auszuschließen. Beide Parteien haben den Vertrauensvorsprung bei ihrer Klientel genutzt, um sich vorsichtig in Richtung politische Mitte zu bewegen. Beiden ist es gelungen, noch radikalere Kräfte klein zu halten.

Paisley steht bei den Verhandlungen etwas stärker unter Druck als Sinn Fein. Wenn die Regierung nicht bis Ende März steht, will London wieder direkt in Nordirland regieren. So wie schon seit 2002, als das nordirische Parlament wegen des Streits über die Entwaffnung der IRA suspendiert wurde. Diesmal allerdings soll Dublin beim „direct rule“ mitreden dürfen. Viele Republikaner sehen diese Abmachung schon als ersten Schritt zu einem vereinigten Irland. Das ist das Letzte, was Ian Paisley will.

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